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Rein statistisch betrachtet...

03.02.2015

...müssten alle Feministinnen nach Japan umziehen, denn dort gibt es Hetero-Sex immer öfter nur noch in homöopathischen Dosen.

Selbst bei verheirateten Partnern in Japan nimmt die Lust auf Sex immer mehr ab. Im Artikel auf der Website von Telepolis wird als Begründung für die Lustlosigkeit u.a. genannt, dass man sich oft wegen der Arbeit »zu müde« fühlt. Das mag mit der speziellen japanischen Arbeitskultur zu tun haben; »Workoholism« kommt aber auch bei uns vor. In der zitierten japanischen Sexstudie heißt es auch, dass die Menschen inzwischen aber ganz allgemein keine Lust auf den Bohei um Sex haben. Sex verkompliziert meistens alles, kostet Zeit und Nerven, ist schmuddelich und außerdem quieken Japanerinnen beim Sex sowieso oft wie eine schlecht geölte Tür (das weiß ich aus den Fachmedien).

Es widerstrebt mir normalerweise, meine eigene bescheidene Erlebniswelt auf gesellschaftliche Trends hochzurechnen. Doch im Fall »Asexualität« muss ich heute mal eine Ausnahme machen. Denn die Anzahl der Männer, die sich mit Grauen von den erotischen Gepflogenheiten moderner, stylisher Frauen abwenden, ist in den letzten Jahren in meinem Bekannten- und Kollegenkreis massiv gewachsen. Die Gründe für das sexuelle Desinteresse sind wie immer vielfältig und kompliziert. Dazu braucht es nicht einmal eine noch kompliziertere Regelung wie die aus England, nach der automatisch ein Mann als Vergewaltiger gilt, wenn er mit einer besoffenen Frau ins Bett steigt – und zwar unabhängig davon, ob beide wollten. Interessanterweise müssen also nur die Männer beweisen, dass sie das weibliche Einverständnis zum gemeinsamen, beschwipsten Sex hatten. Die besoffenen Frauen bleiben außen vor. Abgesehen davon, dass eine solche Regelung real wohl kaum kontrollierbar und nach rechtsstaatlichen Prinzipien eigentlich nicht justiziabel ist (Unschuldsvermutung), öffnet sie einer immer größer werdenden Willkür Tür und Tor. Was ist, wenn die seinerzeit angetrunkene Frau später auf die Idee kommt, die behördlich vorgeschriebene Einverständniserklärung nachzufordern, weil sie mit der benebelten Kuschelstunde nicht zufrieden war? Oder anders herum gefragt: Wie kann man als Mann anders als mit Komplettverweigerung reagieren angesichts eines solchen strafrechtlichen Irrsinns? Und dem Aggregatzustand »alkoholisiert« noch weitere fantasievolle Sonderumstände hinzu zu dichten, die eine potenzielle Vergewaltigung zu einer echten Vergewaltigung umdeuten, fiel bestimmten sabbernden Schreibstischtätern noch nie besonders schwer. »Mit den Augen ausziehen« wäre zum Beispiel ein würdiger Nachfolger in diesem Strafkatalog.

Auffällig ist halt, dass eine immer größer werdende Zahl von Männern aus meinem Umkreis das Verlieben und den damit verbundenen Ressourceneinsatz als sehr reizlos empfindet. So reizlos, dass sich nicht einmal mehr die üblichen Hormonschübe einstellen. Es fehlt ihnen der Kick. Nicht nur das: Viele berichten mir, dass sie sich vom Zeitpunkt der Erkenntnis, keine Rolle als Romantikdienstleister mehr ausfüllen zu müssen, unglaublich befreit gefühlt haben. Das in Verbindung mit diversen Ausweichmöglichkeiten – natürlich vor allem Pornografie oder der Besuch bestimmter prüderiefreier Etablissements – ermöglichen vielen Männern inzwischen ein individuell zugeschnittenes sexuelles Reglement mit einem hohen Zufriedenheitsfaktor. Nein, so sagen sie, die partnerschaftlichen Freuden, die man mit Frauen theoretisch gemeinsam entwickeln kann, wiegen die Kompromisse und finanziellen Risiken, die ein Mann heutzutage für so eine Beziehung eingehen muss, in keiner Weise auf. Das nebulöse Gerede von der trauten Zweisamkeit von Körper und Geist, die man nur mit »realen« Partnerinnen entwickeln kann (so 'ne Art Supervoodoo), klingt in ihren Ohren merkwürdig hohl und fremd.

Ich will mich aber mit den vielen Teilaspekten, die seit Jahren durch die Männerforen geistern, gar nicht lange befassen, da sattsam bekannt. Natürlich sind die üblichen Themenschwerpunkte wie die hohen Scheidungszahlen oder solche extrem belastenden Dinge wie Kindesentzug für viele Männer ausschlaggebend bei der Entscheidung für oder gegen eine langfristige Partnerschaft. Es geht hier allerdings noch um etwas anderes: Die Entscheidung, sich ausschließlich im eigenen Fantasialand je nach Bedarf und ohne weitere Verpflichtungen zu verlustieren, bedeutet für viele Männer inzwischen eine bewusste Kontrolle über ihr persönliches Sexleben, frei von weiblichen Kontroll- und Konditionierungsabsichten. Der beste Sex findet sowieso im eigenen Kopf statt, sagen sie. Dass sie dadurch einen menschelnden Verlust empfinden würden (so wie das in der tendenziösen Presse hochgehalten wird), verneinen sie glaubhaft. Es ist auch einigermaßen aussichtslos, diese Männer zum Amiga-Syndrom umquatschen zu wollen: »Aber Meine Ist Ganz Anders«. Funktioniert nicht wirklich. Das Gefühl, etwas zu vermissen, stellt sich bei ihnen erst gar nicht ein. Gerade mit Blick auf diffuse Familienwünsche würden diese Männer die Kontrolle über ihre Selbstbestimmung fast komplett aufgeben. Viele haben ein solches Himmelfahrtskommando eh schon hinter sich. Diese Abgeklärtheit, dieser existenzialistische Unterton, mit dem sie darüber sprechen, erschreckt und fasziniert zugleich. Is eben so, willste machen?

Die Frauen merken das abgekühlte Interesse an ihrer Weiblichkeit natürlich auch, wie mir eine Ex-Kollegin (schon in den 1990ern) mal vorweinte: »Früher schwirrten die Männer um einen herum wie die Motten, aber heute gucken sie immer weg« (was übrigens nicht an ihrem Aussehen lag). Natürlich hatte sie wie so oft überhaupt keine Ahnung davon, dass schon diese Zustandsbeschreibung ein Teil ihres Problems ist. Aber lassen wir die Frauen ruhig mal ein bisschen rätseln, wieso denn dieses Sätzchen eventuell möglicherweise vielleicht ungeeignet ist, Männer für sich zu interessieren. Und sind eigentlich alle Frauen so? Well maybe, maybe not. Man weiß es nicht. So'n britischer Aktionismus wie »Don't Drink And Fuck« (s.o.) macht jedenfalls alles nur noch schlimmer. Haben die emotional intelligenteren Frauen vielleicht eine Antwort auf die großen Geschlechterfragen (nein, »ausziehen« zählt nicht; kennen wir schon)?

Der neue Virus »Asexualität« hat Europa inzwischen längst erreicht. Nicht Ebola oder die Vögelgrippe werden also langfristig unsere Kultur bedrohen, sondern die zunehmende Versinglelung, die Lustlosigkeit und (in naher Zukunft) die maschinellen Sex-Surrogate. Die haben übrigens gerade in Japan viele Anhänger, einen iDildo gibt es dort schon lange. Wie Manhood bei WGvdL.com berichtete, sind inzwischen sogar die unbeugsamen, ja man möchte fast sagen »gallischen« Schweizer vom Virus Asexualität befallen. Selbst junge Männer versagen im Bett. Der junge Mann, um den es im Artikel geht, kann sich zwar mit Pornos erregen, aber bei seiner Freundin nicht. Drama! Natürlich gibt es mit der traditionellen feministischen Sichtweise nur eine mögliche Lösung für solche Probleme: Pornos stante pede verbieten! Aber halt: Kennen wir als erfahrene Erwachsene nicht alle Situationen beim Dingens, wo einer das eine, die andere aber jenes nicht will? Und wer setzt sich meistens durch? Na also. Außerdem: Gehört es nicht zu den spannenden Lebenserfahrungen, wie man solche Hakeleien untereinander ausbaldowert? Es geht mir jedenfalls schon lange auf den Sack, dass wegen jedem geschlechterbezogenen Wehwehchen gleich ein ganzes Land in die Genderschule geschickt werden soll. Wer will schon ständig eine Familienministerin oder das Strafgesetzbuch in seinem Bett haben?

In irgendeinem Forum (Telepolis, glaube ich) las ich neulich von einem User sinngemäß, dass die vielen Singlehaushalte, die andauernden Missverständnisse und Skandalisierungen bei Geschlechterfragen vielleicht ein Trick der Natur sein könnten, um der Überbevölkerung Herr zu werden. Den Gedanken hatte ich vor einigen Jahren auch schon mal. Vielleicht weiß die Natur, dass sie die animalische, sexuelle und triebhafte Seite in uns nicht zuverlässig bändigen kann. Vielleicht setzt sie uns lauter feministische Flausen in den Kopf, damit wir vergessen, was für ein Geschenk Sex sein kann. Könnte.

 


Kategorie: Male, Female

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