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Overeducated Bullshit

05.06.2015

Jezz drehen sie endgültig am Rad: Die Femis vermissen beim Thema Gender das Element »Frau«.

Man kommt ja kaum noch nach mit dem Kommentieren. An überhitzten Diskussionen über den Feminismus gibt es im Internet keinen Mangel, doch anscheinend befriedigen sie bestimmte weibliche Aufmerksamkeitsbedürfnisse à la »komm ich auch drin vor?« nicht mehr so wie früher. Früher – das war, als es noch viele »Schutzräume« nur für Frauen gab, wie etwa Frauenbuchläden (oder zumindest eine kuschelige »literarische« Ecke in konventionellen Buchläden), Frauencafés, Frauenbibliotheken oder – kein Witz – Frauenfriedhöfe. Das stimmt sogar. Seitdem Gender die Deutungshoheit in vielen politischen Gremien mit beeinflusst, fehlt es an dieser speziellen fraulichen Nestwärme, mit denen entsprechend indoktrinierte Weiber ihr spezielles Frausein kultivieren, zelebrieren und idealisieren konnten. Gender klingt dagegen eher wie eine x-beliebige Arbeitsschutzvorschrift, wie eine schnöde Durchführungsverordnung (was sie ja auch ist) und ist für das weibliche Harmoniebedürfnis ungefähr so spannend wie die Bedienungsanleitung einer Waschmaschine. Es fehlt einfach die Cinderella-Komponente.

Über Hadmut Danischs Blog habe ich mir mal einen einen Artikel beim Tagesspiegel durchgelesen, in dem dann auch umfangreich auf das angestaubte Geschwurbel, das dem Begriff Gender zugrunde liegt, eingegangen wird. Um es gleich vorweg zu nehmen: Neues gibt es da nicht zu lesen. Die Kernthese lautet nach wie vor, dass Geschlechter lediglich »sozial konstruiert« sind und dass die Frauen quasi nur aus patriarchalischen Gründen zu Frauen gemacht werden. Hm, wie soll man das jezz erklären? Also, es gibt da so einen sinistren Haufen Männer, der den lieben langen Tag nichts anderes will, als dass Objekte zu Frauen gemacht werden. Jezz könnte man natürlich fragen, ob es so ein Patriarchat überhaupt in Reinform gibt und wo denn eigentlich das Headquarter des Patriarchats beheimatet ist, von dem aus all die bösen und frauenfeindlichen Verschwörungen generiert werden. Aber das darf man nicht hinterfragen, sonst funktioniert die Geschichte nicht. Das Patriarchat ist sozusagen das ewige Rumpelstilzchen in diesem Zusammenhang.

Wann immer jemand auch nur die leisesten Zweifel an der Konstruierbarkeit der Geschlechter hat, kommt gleich ein ganzes Wortbatallion mit unverdaulichen Klugscheißereien und verschwurbeltem Zeugs daher. Denn man darf ja nicht mitreden, wenn man sich nicht vorher durch den langatmigen femitheoretischen Wortsalat hindurch gefressen hat. Es ist wie mit vielen anderen »overeducated shitheads« (speziell bei den Geisteswissenschaften), die das Leben am liebsten kühl und emotionsfrei am Reißbrett studieren möchten: »Lies erstmal dies und das, bevor du überhaupt in den erlauchten Kreis der Besserfunzeln gelassen wirst«. So war ich auch mal drauf – mit sechzehn ungefähr. »Wenn alle Welt nur dieses oder jene wichtige Gesabbel lesen würde, dann hätten wir bald das ewige Paradies auf Erden«, war meine volle Überzeugung. Wir haben ganze Nächte mit diesem Mindfuck totgeschlagen. Okay, mit den richtigen Ingredienzen konnte das durchaus lustig sein. Aber heute? I'm not as stoned as think you are!

Erst, wenn man sich von dieser albernen Zweigeschlechtlichkeit gedanklich gelöst hat, hat man nach Genderdefinition einen ersten Schritt in Sachen Sexismusbefreiung getan. Beispiel: Nur derjenige, der sich auch lang und breit Sorgen über fehlende Damenschuhgrößen für Transen im Patriarchat Gedanken gemacht hat, kann den repressiven Charakter unserer bösen, heteronormativen Welt verstehen. Oder: Nur die Tüpen, die beim Frisörbesuch 20,- Euro extra Trinkgeld drauflegen, mildern ihre Kollektivschuld gegenüber den armen Frauen, die doch immer soviel mehr bezahlen müssen. Die Rangliste, wer wie am meisten unterdrückt wird, ist fein abgestuft. So ist eine Farbige, die außer den Frisör auch noch teure Haarextensions bezahlen muss, eine ganze Ecke unterdrückter als wir privilegierten Bleichgesichter. Deshalb: Check Your Privileges! Das gilt natürlich vor allem im Zusammenhang mit diesen, wie heißen sie noch, achja Frauen. Einarmige blinde männliche Rollstuhlfahrer sind also noch lange nicht so benachteiligt wie aufgebrezelte Schicksen mit Samsung- oder iPhone-Spiegel. Merkt euch das! Gibt's eigentlich ne Tabelle der am meisten unterdrückten Lebewesen? (Notiz an mich selbst: Mal bei Twitta oder Pinterest nachfragen.)

Jaja, der Feminismus hat es wirklich nicht leicht im Moment. Wie die FAZ schreibt, wollen amerikanische Behörden wahrscheinlich bald das weibliche Pendant zu Viagra auf den Markt bringen – natürlich wegen »Geschlechtergerechtigkeit«. Das ist einigermaßen skurril, denn damit nimmt man den Femis ja im Grunde auf lange Sicht den Erzfeind Mann und damit eine etablierte Einnahmequelle. Es könnte also zukünftig tatsächlich Frauen geben, die aus reiner Lust mit Männern ins Bett gehen, ohne z.B. die üblichen Romantikdienstleistungen dafür einzufordern. Immerhin haben die Männer eine Jahrtausende lange Erbsünde wegen »Frauenunterdrückung« einzulösen, so die gängige Meinung. Für die Männer könnte das allerdings ebenfalls der reine Horror werden. Denn die Erfahrung lehrt, dass Frauen, die abgewiesen werden, zu aggressiver Höchstform auflaufen können. Es wäre also für die Frauenbewegung wahrscheinlich sinnvoller, eine Pille zu entwickeln, die bei Frauen eher lesbische Ambitionen auslöst. Mal sehen, was draus wird. Im Augenblick befindet sich die Wunderpille Flibanserin noch im Genehmigungsverfahren in den USA; allerdings mit positiven Aussichten.

So, genug Gequatsche um die Sorgen unserer Bessermenschinnen. Denn ich wollte noch einen Tipp loswerden für diejenigen, die sich mit den eigentlich wichtigen Themen unserer Zeit auseinandersetzen. Wie ich schon öfter schrieb, ist die Erfindung des Internets von ähnlicher Tragweite wie seinerzeit die Erfindung des Buchdrucks. Das scheint sich immer mehr zu bestätigen: Ken Jebsen, der sich von den Mainstreammedien als Journalist schon lange verabschiedet hat, hat nun bei Youtube eine politische Talkrunde namens »Positionen« ins Leben gerufen, die solche intellektuellen Tiefflieger wie Illner, Will oder Jauch ziemlich alt aussehen lässt. Die erste Sendung lautet »Krieg oder Frieden in Europa – Wer bestimmt auf dem Kontinent?«. Die Gäste sind: Willy Wimmer, CDU-Urgestein, ehemaliger Vize-Präsident der OSZE/KSZE und Autor des Buches »Wiederkehr der Hasardeure«; Mathias Bröckers, TAZ-Mitbegründer und Autor des Buches »Wir sind die Guten«; Dirk Pohlmann, Dokumentarfilmer für ARTE und ZDF und Dr. Daniele Ganser; Historiker und Friedensforscher aus der Schweiz, sein bekanntestes Buch: »NATO-Geheimarmeen in Europa – Inszenierter Terror und verdeckte Kriegsführung«. Keine einzige Frau, hehe. Bin mal gespannt, wie lange es braucht, bis auch das wieder skandaliert wird. Was die Piratenpartei damals erfolgreich unter Wasser gedrückt hat (die Frauenfrage), kann Jebsen eigentlich nicht passieren. Ich bitte um wohlwollende Beachtung.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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