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Nix los – wie lange dauert ein Sommerloch eigentlich?

30.09.2015

Mein persönlicher Trost: Selbst bei den angeblichen Profis von Spülgel-Online ist die Luft momentan raus.

Jezz muss ich mich schon mit den Kaspern beim Spiegel beschäftigen: Spülgel-Online hält sich nämlich seit ein paar Jahren eine Handvoll Kolumnenschreiber als eine Art feuilletonistische Hofnarren, die mit teils amüsanten, teils todlangweiligen Artikeln für die nötigen Klickraten sorgen sollen. Manchmal ist dann auch tatsächlich ein journalistisches Juwel darunter, aber leider strotzen diese Beiträge oft vor sprachlicher sowie intellektueller Ödnis. Nun haben sich zwei dieser Kolumnisten am Thema »VW-Diesel-Skandal« versucht und eben dieses kalte Maschinenthema unter die kuschelige Weltsicht namens »Gender« gezwungen.

Angefangen hatte damit die dümmste Praline bei Spülgel-Online namens Sübille Berg. Seit dem Bestehen ihrer Schreibspalte skandalisiert sie lang und breit die Verwerfungen des blöden Patriarchats, unter dem – Überraschung – natürlich vor allem die Frauen zu leiden haben. Gut, dass das mal eine ausspricht. Hätten wir sonst glatt schon wieder überlesen. In ihrem letzten Schrieb beweinte sie also die VW-Affäre und insbesondere die Tatsache, dass nach diesem raffgierigen VW-Patriarchen Winterkorn schon wieder keine Frau als Vorständerin bestimmmt worden sei. Ihr Urteil über diesen patriarchalischen Affront war eindeutig. Die Weigerung, den überteuerten Vortänzerposten vertraulich in die manikürten Hände einer Frau zu legen, ist laut Sübille natürlich das Werk finsterer männlicher Mächte aus dem letzten Jahrtausend. Und überhaupt: Geht man nach ihr, dann wäre es erst gar nicht zu einer Abgasaffäre bei VW gekommen. Denn Frauen sind so ehrlich und so offen, dass sie gar nicht auf die Idee kämen, andere Menschen (in dem Fall die VW-Kundschaft) hinters Licht zu führen.

Ins selbe Horn stieß gestern ein weiterer Spülgel-Kolumnist namens Fleischhauer. Der wurde einst bekannt, weil er gegen seine (nach seiner Meinung) zu linkslastigen Eltern rebellierte und nun als selbsterklärter »Konservativer« ein bisschen Zeilengeld beim Spiegel verdienen darf. Anders als Sübille Berg hat er wenigstens von Zeit zu Zeit akzeptable Eingebungen (sowie den eloquenteren Schreibstil von beiden), aber auch er fühlt sich in seinem ideologischen Käfig meist am wohlsten und riskiert nur selten einen Blick über den eigenen Tellerrand.

Beide Autoren verbindet, dass sie mit dieser saudämlichen Abgasaffäre bei VW gleich eine Kulturrevolution heraufbeschwören möchten. Das Auto an und für sich ist nach deren Meinung DAS Sinnbild für männliche Dekadenz, besonders weil die bisherigen Auto-Patriarchen so gerne auf fette, umweltfeindliche Protzautos setzten, behaupten sie. Das stimmt zwar ungefähr, aber anscheinend sind beide Autoren kinderlos. Sonst wüssten sie zum Beispiel, dass morgens an den Schulen oft die Hölle los ist, weil zig Mütter die Straßen mit ihren »Hausfrauenpanzern« (SUVs) unsicher machen. So unsicher, dass bei manchen Schulen die Polizei inzwischen die Nase voll hat und diese Straßen sperrt.

Es ist eine beliebte Masche unter den feministisch gebrieften Schreiberlingen: Ein Skandal oder auch nur eine persönliche Betroffenheit wird zum Anlass genommen, umfangreiche Gesellschaftsänderungen zu fordern, nach harten Gesetzen zu rufen oder mindestens ein paar Verbote auf Verwaltungsebene durchzusetzen. Komplexe Zusammenhänge, Wechselwirkungen oder Kausalitäten sind nicht die Sache solcher Kolumnisten; Kollateral- oder Folgeschäden, die aus ihren omnipotenten Tagträumen entstehen, allerdings auch nicht.

Das ähnelt dem berüchtigten »Hitler und die Frauen«-Phänomen: Wie uns der Feminismus nämlich erzählt, hätte es anno dunnemal unter einer weiblichen geprägten Gesellschaft gar keinen Führer (noch dazu einen ohne Führerschein) gegeben. Zieht man den feministischen Vorhang aber ein bisschen zur Seite, blickt man auf Millionen fanatischer Frauen, die – genau wie Millionen Männer – diesem schrägen Herrn aus Braunau vollkommen erlegen waren; die Frauen oft mit einer sexualisierten Komponente: Er konnte sich vor Liebesbriefen kaum retten. Die angebliche Friedfertigkeit, die umfassende Weitsicht oder die ganzen anderen Voodoo-Eigenschaften, mit denen die feministische Fraktion die Welt zum Besseren umgestalten will, haben mit Realität im Grunde also nichts zu tun. Es ist Kopfkino für besonders einfach gestrickte Zeitgenossen, mehr nicht. Solchen Simplizisten darf man eigentlich keine verantwortungsvollen Posten geben, nicht mal den eines Kolumnenfüllers. Man kann es als Trost auffassen oder als Beweis für tatsächliche Gleichberechtigung, dass sowohl Männer als auch Frauen auf Simplizismus hereinfallen; eklig ist es trotzdem. Denn die Phase politischer Bräsigkeit und Bigotterie ist demnach noch lange nicht überwunden und findet in feministischen Allmachtsträumen (vor allem gegenüber ihren nichtkompatiblen Zeitgenossen) eine lautstarke und kostenintensive Weiterführung.

Ungeachtet ihres schlichten Weltbildes (Männer doof, Frauen supi) erreichen solche Brachialerklärer dennoch hohe und höchste Posten, zum Beispiel bei der UNO. Dort sinniert man derzeit über eine Taskforce, der Meinungsfreiheit scheißegal ist, sobald sie die kuschelige Märchenwelt der Femis in den sozialen Netzwerken tangiert. Immer dann, wenn sich ein Mannsbild irgendwie negativ über die heiligen feministischen Mumus äußert, soll er demnächst mit Rede- bzw. Schreibverbot reglementiert werden. Derzeit konzentriert sich das zunächst auf die großen »sozialen« Netzwerke. So sinnlos dieser Aktionismus aus prinzipiellen Gründen ist, so naiv ist er angesichts des Wesens des Internets. Es war in der Steinzeitphase des Internets, als das Netz noch militärisch ausgerichtet war, das allererste Ziel, jede gestörte Kommunikation umzuleiten. Zensur im Internet ist demnach ein vorwiegend technisches Problem und sie prägt das Wesen der weltumspannenden Vernetzung. Das ist den UNO-Frauenbewegten (wie auch anderen Herrschsüchtigen in der Politik) unheimlich. Sie ahnen, dass trotz aller Zensurabsichten die Kritik an ihrem Betondenken nicht aufhören wird. Und so soll es auch sein. Die permanente Alarmstimmung, die diese Frauenideologen an den Tag legen, ist nämlich durchaus angreifbar: »Nichts ist so ansteckend wie eine Idee« (aus »Inception«). Es könnte z.B. die Idee sein, dass die Männer auf die vielen schlechten Ratschläge der anspruchsvollsten Frauen aller Zeiten überhaupt nicht angewiesen sind.

 


Kategorie: Diverses, Politik, Gesellschaft

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