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Wenn das die Reichsfrauenführerin wüsste!

19.12.2016

Aleppo war gestern: Ein empathischer Leser machte mich auf das unmenschliche Schicksal sog. »Larissas« in Deutschland aufmerksam.

Manchmal, wenn ich so über bestimmte Vornamen nachdenke, ist mir vollkommen klar, dass man mit ungelenken Vornamen wie »Larissa« schon rein bauchgefühlt kaum Chancen auf die Top-1-Liebesbeziehung hat. Dieses Phänomen betrifft allerdings Männer und Frauen gleichermaßen, denn auch die diversen »Justins, Malte-Johannes oder Saschas« dieser gefühlskalten Welt eignen sich kaum dazu, um stabile und zudem noch erfüllende Heterobeziehungen aufzubauen. Da ist der Name quasi schon Programm: Solche Namen tragen höchstens überzüchtete Seifenoper-Protagonisten, aber eben keine kernigen, geerdeten Menschen aus der Realität. Eine Larissa wird es also immer schwer haben, ihren geliebten Prince Charming zu finden, genauso wie die vielen Ann-Sophies, Alices oder gar die komplett unaussprechlichen Emmas. Wie sollte man solche Frauen denn ernsthaft seinen Eltern präsentieren? Das ist doch peinlich.

Wie Larissa bei Spülgel-Online schreibt, war sie die Ewigkeit von sieben langen Jahren in einer Beziehung, hat sich währenddessen niemals gedanklich mit möglichen anderen Gigolos befasst und ist nun nach der Trennung von ihrem bisherigen Lover erstaunt, wie schwer es für eine junge Frau heutzutage ist, sich neu zu verlieben und den ganzen siebenjährigen Sermon von vorne loszutreten. Meistens scheitert es an der Tatsache, dass die Männer sie »nicht ansprechen«.

Ein neues Phänomen ist das nicht. Schon vor hundert Jahren erzählte mir eine damalige Arbeitskollegin unaufgefordert bei einem klassischen Kopierer-Talk, dass sie »gerne flirtet«. Und weil sie schon mal beim Thema war, klagte sie gleich hinterher, dass sie sich früher als Frau nur irgendwo hätte hinstellen müssen und sofort seien ein paar interessierte und interessante Männer zu ihr und zum Flörten gekommen. »Heute«, so meinte sie, »gucken die Männer alle weg«. Das läge aber auch daran, weil sie zwischenzeitlich Mutter geworden war, jammerte sie weiter. Alleinerziehende hätten es sowieso viel schwerer, einen neuen Mann zu finden, berichtete sie mir. Außerdem durfte ich anhand ihrer umfangreichen Lebensbeichte erfahren, dass die ständigen Querelen, die sie offensichtlich mit ihrem hyperaktiven Sohn hatte, wahrscheinlich daher rührten, weil ihr Sohn eine bisher unentdeckte und unbehandelte »Höchstbegabung« hat. Das sagen Mütter ja immer gerne, wenn sie ihre Söhne nicht im Griff haben. Auch vergaß sie nicht, ihren geschiedenen Ehemann in den schrillsten Farben zu schildern, so dass ich gleich wusste, wie ich – sollte ich jemals auf den Gedanken kommen, selber »gerne flörten« zu wollen – auf keinen Fall sein durfte, wenn ich ihr Herz (und einiges mehr) gewinnen wollte. Zum Glück meldete sich dann aber zuverlässig mein Überlebensinstinkt und ich beschränkte die weiteren Kontakte mit besagter Kollegin auf rein professionelle Angelegenheiten.

Besonders schlimm für solche Larissas ist es also, dass sie bei ihren Lustwandlungen durch unsere moderne Städte niemals aktiv von Männern angesprochen und umworben werden. Ja, meine männlichen Freunde, so unsensibel sind wir Tüpen in Larissas Augen also. Von den heimlichen Sehnsüchten dieser jungen Frauen haben wir Machos einfach keinen blassen Schimmer. Eigentlich müssten wir Männer doch sehen, wie sehr sie leiden, welche romantischen Bedürfnisse sie quälen und dass sie unsere volle erotische Aufmerksamkeit benötigen. Schließlich ist der Sinn und Zweck unseres Daseins doch der, den Frauen die Sterne vom Himmel zu holen, ihnen ein Königreich zu Füßen zu legen, sie auf Händen zu tragen und ihnen das Blaue vom Himmel zu versprechen. So lief das jedenfalls meistens in den präpostfaktischen Zeiten ab. Im Gegenzug hatten die Frauen anno dunnemals natürlich auch romantische Pflichten, so wie... jezz fällt mir grad nix ein, damn it.

Das männliche Fußvolk ist inzwischen vollkommen verroht und abgestumpft, wie man in den Foreneinträgen zu Larissas Artikel lesen kann. Denn einige Tüpen behaupten dort (wahscheinlich aus reiner patriarchalischer Bequemlichkeit), dass in unseren hochemanzipierten Zeiten doch auch mal die Frauen den ersten Schritt beim Kennenlernen machen könnten. Schließlich, so schreiben sie, wäre es mittlerweile sogar gefährlich, sich allein aufgrund von subtiler Zeichen- und Körpersprache einfach so einer gewöhnlichen Frau zu nähern. Immer könne die Frau am Schluss »Belästigung!einself!« oder sogar »potentielle Vergewaltigung!« rufen, wenn ihr eine männliche Annäherung nicht gefallen hat. Also folgerte das schwächelnde Geschlecht im Forum logischerweise, dass bei soviel einseitiger Deutungsmacht in allen schlüpfrigen Angelegenheiten nun endlich die Zeit für die Frauen gekommen sei, ihr gesamtes feministisches Empowerment in die Waagschale zu werfen und selbst aktiv in die Kennenlernphase zu investieren.

Aber leider ist genau diese Erwartung kaum praktikabel. Denn, wie wir wissen, sind selbst knallharte Hardcore-Femanzen felsenfest der Meinung, dass ein Mann, der »sich von starken Frauen verunsichern lässt«, kaum die Mühe wert ist, um sich mit ihm als potentieller Liebhaber zu befassen. Die klassische Bringschuld in der Kennenlernphase hat selbst für all die unfassbar selbstbewussten Frauen, die angeblich endlich ihre erotischen/sexuellen Bedürfnisse einfordern, immer noch der Mann. Für Frauen sind Männer, die nicht »Bitte-Bitte« bzw. »Männchen machen« und/oder mit nutzlosen Geschenken um sich werfen wollen (sofern die Frauen sie überhaupt für eine erotische Konversation auserwählt haben), einfach unspannend. Davon wird garantiert keine feucht, Männers, wenn ihr nicht mindestens so tut, als hättet ihr der hälftigen Preisgabe eures Vermögens bzw. eurer Ressourcen bereits lange vor dem Gang zum Scheidungsanwalt zugestimmt. Liebe ist nämlich, wenn ihr die Rechnungen in Restaurants bezahlt oder wenn ihr sie in eurem geleasten Protzauto von Pontius nach Pilates fahrt. Liebe ist, wenn sie findet, dass eure Couch doch dringend durch ein Modell ersetzt werden müsste, das ihr gefällt. Liebe ist, wenn ihr plötzlich mit solchen bedeutenden Problemen wie Gardinchen, Nippes oder Stofftieren konfrontiert werdet – aber niemals dagegen sein dürft, wenn sie (oder ihr selbst) Kohle dafür verplempert. Liebe ist, wenn sie entscheidet, wie oft ihr einen Orgasmus haben dürft. Liebe ist, wenn sie aus kleinsten Anlässen eine Staatsaffäre machen darf. Und nicht zuletzt bedeutet Liebe Sexverweigerung, wenn sie mal ihren Willen nicht bekommt. Liebe ist eindeutig nicht so gemeint, dass sie euren Charakter, eure Fähigkeit zum Zuhören, eure Anteilnahme oder eure Warmherzigkeit schätzt.

Wenn man sich mit Frauen darüber unterhält, warum sie nie den ersten Schritt machen, dann heißt es meistens, dass sie eine Heidenangst davor haben, einen Korb zu bekommen. Und es stimmt: Ich meine sogar, öfter mal einen unbändigen Tötungswillen ausgemacht zu haben, wenn ich einer dieser flüchtigen Larissa-Begegnungen einmal nicht die gebotene Gentleman-Aufmerksamkeit zukommen ließ. Das Resultat waren so einige ausgestreckte Mittelfinger, böseste Blicke dazu oder ein herzhaftes »Du Schwulie!«, quer über die innenstädtischen Straßen gebrüllt. Nein, Desinteresse ist nicht das, womit man bei rolligen Frauen Sympathiepunkte ergattern kann. Das hat teilweise fatalistische Züge: Einmal wollte eine künftige Arbeitskollegin nicht in derselben Firma wie ich anfangen, weil ich mit ihr zuerst ein ausgiebiges Gespräch hätte führen müssen. Darin sollte es darum gehen, warum ich drei Wochen zuvor mit ihr und meinem damals besten Kumpel nicht zusammen ins Bett hatte steigen wollen. Dabei war die Sache sonnenklar: Er war einfach nicht mein Typ. Sie verzichtete schließlich auf den neuen Job, denn auf so ein »Gespräch« hatte ich natürlich überhaupt keinen Bock.

Zwar habe ich keinerlei belastbare Zahlen dafür, aber trotzdem sehe ich in den vielen einsamen Larissas keine bedauernswerten Einzelschicksale, sondern einen regelrechten Trend. Viele Frauen erklären sich das neuerliche männliche Diventum mit der berüchtigten »Verunsicherung gegenüber starken Frauen« – wobei die Frauen offenbar nach wie vor leider immer noch nicht so stark sind, dass sie selber das Heft in die Hand nehmen (oder eben irgendwas anderes, das ihnen an den Männern gefällt). Also warten die Frauen erstmal ab, bis sich diese männliche Zögerlichkeit vielleicht von selber legt. Ihr verkorkster Hoffnungsschimmer: Männer wollen ja doch immer nur das Eine. Oder sie erklären sich ihre verpassten Gelegenheiten damit, dass die bisherigen Männer (also die ohne entsprechenden Elan oder handfeste Vorschussleistungen) eben noch nicht »Mr. Right« verkörperten – der Märchenprinz kommt bestimmt erst noch, denken sie. Doch leider wird sich an dem genannten Trend wohl nicht mehr viel ändern, genauso wenig wie an der traditionellen Verhaltensstarre der eigentlich willigen Frauen. Gelegentlich hört man zu dem Thema auch, dass es besonders in Deutschland in diesem Lebensbereich fröstelnder zugeht als anderswo.

Jedenfalls erleben zugereiste Frauen hierzulande immer einen krassen Kulturschock, was das Thema Kennenlernen betrifft. Das mag deprimierend klingen, aber andererseits nehmen die unwilligen deutschen Männer ihre Frauen durchaus ernst, indem sie nämlich das in den Gazetten ständig halluzinierte Empowerment moderner Frauen tatsächlich auch mal einfordern. Infantilisierte »Häschen« und »Mäusken« findet man schließlich überall auf der Welt. Mit einem derartigen Paradigmenwechsel im Geschlechterleben hatten die Frauen aber dummerweise so rein gar nicht gerechnet. Aber so isses halt. Postfucktische Zeiten!

 


Kategorie: Male, Female

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