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Ladenhüter Feminismus

03.02.2016

Wir backen uns den »Neuen Mann«.

Wenn Feministinnen nicht gerade mit ihrem eigenen Bauchnabel beschäftigt sind, lamentieren sie am liebsten über schlechte Männer. Wir kennen das ja zur Genüge: Männer sind dies, Männer sind das – meistens sind sie nicht nach dem Geschmack der holden Weiblichkeit. Das geht von trivialen Kleidungsfragen (Schatz, willst du nicht mal einen Anzug tragen?) bis zu großen Gesellschaftsentwürfen darüber, wie das Geschlechterverhältnis denn nach weiblichem Ermessen auszusehen hat. In seltenen wachen Momenten realisieren Frauen, dass es vielleicht an ihren ständigen Mäkeleien liegen könnte, dass Männer sich bisher höchstens temporär auf ihre Domestizierungsversuche einlassen mögen. Was den Tüpen schon im gewöhnlichen Alltag auf den Sack geht, setzt sich nämlich übergangslos bei den unzähligen feministischen Diskussionen fort. Auch hier ist das weibliche Sendungsbewusstsein riesengroß (sein Erfolg allerdings bescheiden).

Von Zeit zu Zeit tauchen dann Artikel von Feministinnen auf wie der bei Telepolis: »Der Mann als Wille und Vorstellung«. Die Autorin versucht darin einmal mehr den sattsam bekannten Kniff, die üblichen feministischen Diskreditierungen gegen Männer durch ein paar schale Komplimente zu kompensieren. Denn, so schreibt sie, Männer seien eben nicht nur grobschlächtig, aggressiv und dumpf, sondern es gäbe auch ein paar kulturbildende Feingeister wie z.B. da Vinci oder Rembrandt, die ja auch nicht als unmännlich gelten, nur weil sie »Blümchen gemalt haben«. Von Kunst hat sie also schon mal keine Ahnung. Ihrem wichtigen Geschnatter zufolge scheint es jedenfalls niemals feministische, gruppenbezogene Beleidigungen gegen Männer gegeben zu haben.

Allein schon der Gedanke, Frauen könnten verstehen, wie Männer ticken, ist in sich vollkommen absurd. Bei den so großzügig erteilten Kulturnoten der Feministinnen kommt im Grunde nie mehr raus als reine Küchenpsychologie. Als ernstgemeinte Empathie ist das auch nicht zu verstehen, denn Forderungen unter der Prämisse »Wie müssen Männer sein, damit sie möglichst frauenkompatibel erscheinen?« sind zutiefst arrogant und selbstbezogen. Das ist langweilig, unsexy, primitiv. Für »sinnstiftende« Fragen auf diesem Niveau wären Frauen mit einem Hund tatsächlich besser beraten.

Wenn es wenigstens was Anspruchsvolles mit den feministischen Überfliegern zu diskutieren gäbe – doch da ist nichts. Genau das ist mein Problem mit ihnen. Es ist einfach strunzdumm – was aber nicht heißt, dass ich mich für zu intelligent halte, nein. Es ist schon auf einem alltäglichen Unterhaltungsniveau keine Mühe wert, sich immer und immer wieder mit einem solchen Pipifax zu beschäftigen. Nehmen wir mal die folgende Passage des erwähnten Artikels:

 

Der Feminismus beispielsweise kann per Definition nicht männerfeindlich sein. Er ist eine Herausforderung, eine Zumutung sogar, aber er bekämpft nicht den Mann als solchen. Der Feminismus, der eine Welt der Chancengleichheit und Partnerschaftlichkeit einfordert, unterstellt - und darin liegt seine Perfidie -, dass Männer sehr wohl dazu in der Lage sind, in einer solchen Welt zu leben. Der Feminismus behauptet, dass Männer offene Haare und Miniröcke aushalten können, dass sie selbst nach Mitternacht und in dunklen Seitengassen fähig sind, Frauen, sogar schöne, unvergewaltigt ihrer Wege gehen zu lassen.

Der Feminismus traut Männern eine ganze Menge zu. Und er hat recht behalten. Die Fortschritte der Gleichberechtigung, die man trotz aller Unkenrufe feststellen kann, sind Verdienste des Feminismus. Aber es sind auch Verdienste von Männern. Männer, deren Selbstverständnis so weit gefasst ist, dass sie sich auch dann noch als "echte Kerle" begreifen können, wenn sie das Baby wickeln, Männer, die die Größe haben, Frauen als ernstzunehmende Diskussionspartnerinnen anzuerkennen, Männer, die sich über mehr als nur ihren Geschlechtstrieb definieren - sie hat es immer schon gegeben. Sie sind keine Rarität. Sie sind weder verweichlicht noch verweiblicht, und schwul sind sie auch nicht alle. Vor allem aber sind diese Männer eines nicht: das Problem.

 

Dass der Feminismus sich nicht gegen Männer richtet (wie hier behauptet), ist das genaue Gegenteil von dem, was feministische Lautsprecher der letzten Jahrzehnte verkündet haben. Was waren wir Tüpen nicht schon alles: Potenzielle Vergewaltiger (alle), die Bevölkerungsgruppe, die man am besten auf 10 % reduziert für ein friedliches Miteinander, eine »Krankheit namens Mann« (Spiegel), laut Cornelia Pieper (FDP) »halbe Wesen« – es wurde kaum ein Attribut ausgelassen, mit dem man nicht auch seinen ärgsten Feind entmenschlichen könnte. Das ist nicht nur eine »Zumutung«, es ist eine Kriegserklärung. Die Absurdität solcher ihrem inneren Wesen nach faschistoiden Kampagnen kann man übrigens leicht erkennen, wenn man nur einmal die Rollen vertauscht. In diesem Brachialkontext einen Ausdruck von »Chancengleichheit« zu sehen, zeugt von grenzenloser Egomanie, von einer grundsätzlichen Unfähigkeit, Menschen außerhalb des eigenen Gedankenmiefs überhaupt wahrzunehmen. Nein, auch nicht die feministische Erlaubnis, dass Männer Röcke tragen dürfen (s.o.), reißt es raus. Schon die Diskussion darüber ist reine Zeitverschwendung. Von allen typisch männlichen Problemen und Sorgen sind Röcke sicherlich nicht das dominierende Element für die Beurteilung männlicher Lebensqualität. Das ist Puppenhaus-Niveau.

Sorry Ladies, aber auf dieser Diskussionsebene und unter der Prämisse, dass Feministinnen für alle Frauen sprechen, kann man Frauen als »ernstzunehmende Diskussionspartnerinnen« rundweg vergessen. Punkt aus, Ende der »Diskussion«. Ich persönlich spreche zwar nicht für alle Männer, aber sobald meine Antennen eine derartige Ignoranz bei Frauen registrieren, reicht es höchstens noch für einen oberflächlichen Umgang mit ihnen (Guten Tag, danke, bitte, auf Wiedersehen). Was soll das für eine »ernstzunehmende Diskussion« sein, in der Mann mit Frauen darüber diskutiert, ob der Feminismus es gut findet, dass Männer auch »verweichlicht« sein dürfen? Ich bin diese sinnlosen feministischen Ja-aber-Monologe so satt! Selbst wenn ich alle bisherigen frauenzentrierten Pseudo-Diskussionen aus meiner Gedankenwelt streichen würde: Ich kann mir nichts Unerotischeres, nichts Uninteressanteres, nichts Dümmeres vorstellen als eine Frau, die mir mit solchen Plattitüden auf den Keks geht.

Schon der gedankliche Ansatz, dass Männer sich feministischen Ideen anzudienen hätten, offenbart eine infantile Einseitigkeit, die kaum zu ertragen ist. Oder wie sonst soll man z.B. den jüngsten feministischen Fragenkatalog an Männer auf Buzzfeed verstehen (eine der vielen Antworten darauf finden sich übrigens hier oder auch hier)? Da heißt es z.B. »Wie fühlt es sich an, dasselbe Geschlecht wie Donald Trump zu haben?«. Wie bitte? Die Frage ist so unfassbar dumm, dass einem die Worte und jede Contenance ausgehen. Wie fühlt es sich denn an, dasselbe Geschlecht wie Eva Braun oder Magda Goebbels zu haben? Empörung? Empörung – zu Recht! Kommen wir also auf dieser Ebene überhaupt zu irgendeiner weiterführenden Konklusion bei der Beurteilung des zwischenmenschlichen Miteinanders? Ach was! Selbst Kaffeekränzchen haben mehr geschlechterpolitische Relevanz als so ein zweckfreies Geplapper.

Vor allem: Kann mal jemand diesen Pullertruden stecken, dass die Zeiten, in denen Frauen pausenlos Forderungen an Männer richten, vorbei sind? Schließlich plustern sich Feministinnen doch ständig damit auf, wie unglaublich emanzipiert, unabhängig und selbstbewusst sie sind. Eigenständigkeit ergibt sich aber doch nicht daraus, dass man von anderen Leuten permanent Garantien fürs eigene Lebensglück einfordert. Aber je emanzipierter sich Frauen aufspielen, desto greller werden ihre Forderungen – das ist die Essenz aus den vielen »Skandalen«, die Feministinnen auszumachen glauben; wie etwa »frauenfeindliche« Hemden bei renommierten Wissenschaftlern, »frauenfeindliche« Witze bei wissenschaftlichen Symposien (Tim Hunt), das Dirndl-Gate oder sonstiger banaler Scheißdreck. Selbst bei den hässlichen Ereignissen in Köln, als es tatsächlich mal massenhafte Belästigungen gegen Frauen gab, ging es viel mehr ums ideologische Ausschlachten (#ausnahmslos) als um die konkrete Aufklärung eines konkreten Anlasses. Frauenfeindlicher geht es eigentlich gar nicht.

Nicht zuletzt: Für die wilden Thesen, dass es doch auch »gemäßigte« Feministinnen gäbe, dass »der Feminismus früher einmal notwendig war« oder »der Feminismus doch auch für Männer da ist« (s.o.) fehlt mir persönlich jede Geduld. Ich habe schlichtweg keine Lust, im Jahr 2016 über die angeblich so furchtbaren 1950er (oder noch früher) nachzudenken. Das ist ungefähr so spannend wie eingewachsene Fußnägel. Als hätten wir dieses Genöle nicht ebenfalls schon zigfach rauf und runter diskutiert.

We didn't start the fire.

 


Kategorie: Male, Female

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