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Wieviele Studien noch?

19.01.2016

Unsere Politiker haben offensichtlich Leseschwächen – oder brauchen neue Hörgeräte.

Vor einigen Tagen stellte eine Untersuchung von Oxfarm fest, dass an der schon seit Jahren und Jahrzehnten auseinander klaffenden »Einkommensschere« nichts besser geworden ist, eher im Gegenteil. Daran schließt nahtlos ein Artikel an, der heute in der FAZ erschien. In diesem wird auf eine Untersuchung der PR-Agentur Edelman Bezug genommen, in der – oh Wunder – denselben Politikern, die die zuvor genannte Oxfarm-Studie (wie so viele andere vor ihr) mit Macht ignorieren, ein Glaubwürdigkeitsproblem attestiert wird. Ich möchte mich momentan nicht auf Detailaspekte dieser beiden Artikel einlassen, denn das können besagte Beiträge eh viel besser. Schließlich bin ich kein Journalist. Es ist auch einigermaßen müßig, denn solche Studien und Untersuchungen gibt es nun schon seit Ewigkeiten und ebenso lange führten sie bisher noch nie zu einer entsprechenden Arbeitswut bei den Verantwortlichen. Angesichts des globalen Charakters solcher Entwicklungen muss man zusätzlich feststellen, dass das Problembewusstsein unserer Entscheider gegenüber diesen wichtigen Fragen extrem (bis fast extremistisch) »provinziell« daher kommt.

Als durchschnittliches Bürgerlein erscheint einem die unübersehbare Ignoranz, die Politiker aus einem derartigen Infomaterial generieren, geradezu phänomenal. Sind Zeitungen und Zeitschriften im Bundestag etwa verboten? Oder liegt nur die »Apothekenrundschau« aus? Ist der Internetzugang im Reichstag noch immer nicht repariert? Spielen die in ihren Büros nur Solitär? Das sind durchaus ernstgemeinte Fragen, denn von Gestaltungswillen oder vom Pathos à la »...Schaden abzuwenden und Nutzen zu mehren« (im Sinne der Bürger) ist weit und breit nichts zu entdecken.

Soll man es den Politikern als Bildergeschichte aufmalen, was passiert, wenn man sich den Sorgen von Millionen zugunsten einer völlig dekadenten (und damit strunzdummen) Klientel verweigert? Oder soll man ihnen eine gruselige Gutenachtgeschichte aufschreiben, damit sie wie kleine Kinder lernen, dass alles fürchterlich aus dem Ruder läuft, wenn sie nicht auf bestimmte Einsichten hören?

Man kann sich ja durchaus über Detailfragen lang und breit in den Haaren liegen, aber die intellektuelle Ödnis, die nur noch von den feministischen Zuckungen der vergangenen Tage übertroffen wurde, ist unerträglich. Wobei ich gar nicht in Abrede stellen will, dass das Prinzip »Recht des Stärkeren« einen Staat temporär am Laufen halten kann. Doch wie wir aus der eigenen Geschiche wissen, ist dieses Prinzip, was den Ausgang des »Krieges reich gegen arm« (Warren Buffet) betrifft, eine äußerst wacklige Angelegenheit. Und nein: Die angemieteten Söldner, die es braucht, um eine solche Ignoranz aufrechtzuerhalten, sind keine verlässliche Größe in dieser Rechnung.

Heute las ich z.B. über die »Elefantenrunde« beim SWR, zu der die AfD ausdrücklich nicht eingeladen wurde. Man kann von der AfD halten, was man will (auch das schlechteste), aber eine Partei, die nach allen Voraussagen aus dem Nichts locker in ein Landespalaverment einziehen wird, kann man in solchen Plapperrunden nicht einfach ignorieren. Es waren die bisher großen Parteien (deren Zerfall sich ebenfalls mit einigem Tamtam abzeichnet), die eine gemeinsame Diskussion über das Wahlergebnis nicht öffentlich mit der AfD führen wollen. Das ist ja für sich genommen schon armselig und feige. Aber was macht der SWR? Er knickt vor der Allmacht der herrschenden Parteien völlig ein und lädt die AfD einfach aus. Einmal mehr heißt das für den potenziellen Wähler, dass die Hauptmedien offensichtlich nur die Büttel der Politik sind, die auf Zuruf mal so, mal so publizieren. Wie dumm muss man sein, um einen solchen medialen Fauxpas als demokratischen Vorgang zu verklären?

Rechnen wir ruhig noch das dumme Huhn vom WDR dazu, das im niederländischen Rundfunk neulich davon gackerte, dass ÖR-Journalisten möglichst regierungs-positiv berichten müssen. Das hat sie inzwischen zwar wieder eilig dementiert, aber leider war's schon zu spät. Wen also sollte der unentschlossene, kritische und aufmerksame Bürger lieber wählen in Rheinland-Pfalz?

Man kann ganz ohne Philosophie- oder Politikstudium festhalten, dass die Ignoranz jeglicher Kritik seitens der politischen Übergewichte eben genau ihren Gegnern in die Hände spielt. Was treibt die Herrschenden bloß an? Sehen sie das nicht, wie sie ohne Not Vertrauen verspielen? Glauben sie tatsächlich, dass der dumme Untertan bis zum Wahltermin sowieso wieder alles vergessen hat? Natürlich weiß jeder, dass in solchen »Elefantenrunden« nur belangloser Mist geredet wird, weil sich z.B. alle Beteiligten plötzlich aus unerfindlichen Gründen als Wahlsieger fühlen, weil sie aus prinzipiellen Gründen noch nichts über ihre zukünftigen klandestinen Machenschaften sagen können usw. Hey, so was hat jeder schon mal gesehen, es ist nicht das erste Mal. Wäre die AfD also in dieser blumigen Plauderstunde dabei gewesen, dann hätte wahrscheinlich kein Mensch davon Notiz genommen. So wie jetzt aber ist es für die Glaubwürdigkeit unserer Vortänzer der mediale Supergau, den sie über Jahre nicht mehr aus dem Wählergedächtnis kriegen werden. Offensichtlich taugen die Politiker bisheriger Bauart also noch nicht einmal dazu, ihren eigenen Arsch zu retten.

Um es noch einmal zu betonen: Dies sind alles alltägliche Ereignisse, bei denen man nichts hinzu dichten muss, für die man keine Verschwörungstheorie braucht und die auch nicht von »Russia Today« kommen. Es ist eben genau nicht übertrieben, sondern nüchterne Erkenntnis der Nachrichtenlage, wenn man solchen Politikern und ihren Zuflüsterern eine lupenreine Korruption unterstellt. Ob die aus Boshaftigkeit, nackter Gier oder nur aus Dummheit geschieht, ist völlig belanglos. Es hat auch nichts mit »Sozialneid« zu tun, wenn man zur Sprache bringt, dass ein wesentlicher Pfeiler der wirtschaftlichen Stabilität unseres Landes durch Umverteilung zustande gekommen ist (von der würdelosen Gängelung anderer Länder will ich gar nicht reden). Und es ist schon lange kein Nazismus, wenn man sich angesichts des Flüchtlingsproblems nicht mit Teddybär-Romantik trösten lassen möchte. Sind wir hier im Kaspertheater oder was? Die Leute, die kommen, werden doch genauso nach Strich und Faden verarscht.

 »Wann isch misch über alles uffresche tät, über das mer sisch uffresche kann, könnt isch misch de ganze Dag uffresche!« – Heinz Becker.

 

Jezz brauch ich erstmal was zum Runterfahren – am besten auf »Repeat« schalten:

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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