Header

Artikel Detailansicht

< Es gibt keinen Gender Pay Gap
   

Toxische Weiblichkeit

17.06.2016

Der Muff des 1970er-Feminismus kommt wieder.

Es ist zwar schon einiges über die neueste dumpfe Propaganda der Spiegel-Kolumnistin Stokowski geschrieben worden und das meiste, was sich kritisch damit auseinandersetzt, ist gut und richtig. Doch abgesehen von den üblichen Abwehrreflexen gegenüber dieser unsäglichen Generalanklage fällt bei der Diskussion ein Aspekt unter den Tisch, nämlich dass Gewalt über beide Geschlechter gleichmäßig verteilt ist. Die Behauptung der Stokowski und diverser Foristen zum Artikel, dass Gewalt mehrheitlich von den Männern ausgeht, ist extrem tendenziös, manipulativ und dumm. Denn zur Frage der männlichen Gewalt gehören auch zwingend Fragen nach der weiblichen Gewalt – wenn man denn in Geschlechterkategorien denkt. Wenn man wie Stokowski aber lieber nicht so genau hingucken will, wird man den zerstörerischen Aspekten des Gewaltphänomens niemals gerecht. Gewalt hat übrigens mehrere Aspekte, nicht nur zerstörerische – dazu weiter unten mehr.

Man kann männliche Gewalt nicht losgelöst von weiblicher Gewalt sehen. Sie unterscheidet sich, auf die Geschlechterebene bezogen, lediglich in ihrer Ausdrucksform, nicht aber in ihrer destruktiven Wirkungsweise. Wie erklärt die Behauptung, dass Gewalt fast ausschließlich von Männern ausgeht, solche Tatsachen wie Kindermorde (die hauptsächlich von Müttern begangen werden) oder die sattsam bekannte hälftige Gewaltbereitschaft von Männern und Frauen in Partnerschaften? Wie erklärt sich die Existenz von Jesus Christus, Mahatma Ghandi oder Martin Luther King und wie erklärt sich die rücksichtslose Kriegsbereitschaft von Margaret Thatcher (Falkland Islands) oder Hillary Clinton (Lybien)? Wie erklärt man die Eroberungskriege Katharina der Großen oder den Sadismus der KZ-Aufseherinnen? Warum bekommen die übelsten (verurteilten) Serienmörder körbeweise Liebesbriefe und Heiratsanträge von Frauen und nicht der durchschnittliche, fürsorgliche Beta-Mann in der näheren Umgebung? Wenn man die Gewaltbereitschaft derart infantil auf die jeweiligen Geschlechtsorgane reduziert, leistet man also eher der Verschleierung ihrer Ursachen Vorschub, als dass man etwas zu ihrer Entschärfung beiträgt. Damit wird die dümmliche Reduktion, wie sie Stokowski betreibt, zur reinen Propaganda, eine Propaganda, die für sich betrachtet natürlich wiederum den Ausgangspunkt für potenziell gewaltvolle Konflikte darstellt.

Gewalt ist nicht typisch männlich, sie ist vielmehr typisch menschlich. Sie ist evolutionär bedingt und bedeutet einen Vorteil bei der Erlangung lebenswichtiger Ressourcen. Das zieht sich bis in unsere moderne Gegenwart wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte. Denn selbstredend sind auch die heutigen Kriege nicht Kriege um die bessere Moral, sondern Kriege um Schürfrechte und ökonomische Vorteile. Und damit dass auch die dümmsten Feministinnen kapieren: Natürlich fanden Frauen es (zumindest vordergründig) wahrscheinlich nicht so nett, was Hitler mit den Juden anstellte, aber sie freuten sich durchaus, wenn sie damals ein Schnäppchen machen konnten, weil Juden, mit denen sie kurz vorher noch die Nachbarschaft und den friedvollen Alltag teilten, zwangsenteignet und deportiert wurden. Darüber gibt es kilometerlange Verwaltungsakten, denn die Registratur solcher Raubzüge für die – natürlich auch weibliche – Volksgemeinschaft war urdeutsch-gründlich. Es ist also lang und breit belegbar. Von den Millionen Liebesbezeugungen gegenüber Hitler will ich gar nicht anfangen.

Die Masche von der einseitigen Schuldzuweisung seitens der Feministinnen gibt es mindestens seit den Anfängen der modernen Frauenbewegung in den 1970ern. Nur das skandalisierende Etikett ändert sich von Zeit zu Zeit. Nun ist es also die Killerphrase »toxische Männlichkeit«, ein formschöne Skandalphrase, die solche Gören irgendwo im Internet aufschnappen, daraus ein Totschlagargument generieren und dieses unablässig durch die Medienkanäle treiben. So funktioniert Propaganda und so wird diese Propaganda selber zur Toxizität, die wiederum jede objektive Ursachenforschung verunmöglicht. Das besonders Ärgerliche ist bei Stokowski, dass sie intellektuell auf dem »Kenntnisstand« ihrer feministischen Großmütter herum dümpelt. Denn die Erkenntnis, dass Gewaltpotenziale bei Männern und Frauen sich lediglich in ihrer Ausdrucksform, nicht aber in ihren Auswirkungen und Konsequenzen unterscheiden, hatten wir als geschlechterpolitisch Interessierte eigentlich schon längst hinter uns gebracht (Beispiel »Mobbing«).

Gewalt ist aber nicht grundsätzlich destruktiv. Sie ist neben ihrem skandalisierbaren Aggregatzustand (wie z.B. bei den überaus dümmlichen Krawallen während der EM) der zentrale Antriebsmotor für die Behauptung des Menschen gegen die Natur – und nicht selten die ultima ratio gegen ausbeuterische Systeme, wie es z.B. ebenfalls derzeit in Frankreich beobachtet werden kann (sofern man sich abseits der Massenmedien über die französischen Proteste gegen die Arbeitsmarktreformen informiert). Um über das Phänomen Gewalt also überhaupt reden zu können, müssen wir als Menschen anerkennen, dass sie unser stetiger Begleiter war und ist. Wir müssen ihr vielschichtiges Wesen verstehen lernen, wie etwa das gleichzeitige Auftreten von Destruktion, sowie als Schutzfunktion in existenziellen Notlagen – und darüber hinaus ihre Rolle als konstituierendes Element jeder Kultur.

Derartige Skandalartikel wie im Spiegel tragen also nichts zur komplexen Gewaltthematik bei, im Gegenteil. Sie verhärten Fronten, ohne jemals in die Nähe akzeptabler Lösungen zu kommen. Es ist keine besondere Leistung, die Empörungsspirale in Richtung Männlichkeit zu drehen (vor allem in einer Medienwelt, die in diesem neuralgischen Punkt eh mit extremer Einseitigkeit behaftet ist), aber es ist genau diese Simplifizierung, die ihrerseits die Quelle für weiteres Konfliktpotenzial darstellt. Es ist nämlich eine grundlegende Erkenntnis der Friedensforschung, dass die Entmenschlichung des Opponenten (im Feministinnen-Jargon »die toxischen Männer«) keine Konflikte löst, sondern sie vielmehr verstärkt.

Deshalb sind natürlich auch die feministischen Empfehlungen, wie z.B. die, dass Männer doch die Straßenseite wechseln sollen, wenn sie einer Frau entgegen kommen, keine brauchbare Lösung, sondern das genaue Gegenteil davon. Das Ziel kann nicht sein, die männlichen und weiblichen Lebensbereiche noch mehr zu separieren oder das Grundvertrauen gegenüber (fremden oder fremdartigen) Menschen zu zerstören. Im übrigen fällt das den Frauen unmittelbar auf die eigenen Füße, denn dieser Separatismus ist kein Gewinn an (friedvoller) Lebensqualität für alle Menschen, sie ist vielmehr ein typsiches Merkmal totalitärer Gesellschaftssysteme (Beispiel Apartheid). Und im speziellen Zusammenhang mit der Geschlechterthematik bedeutet Separation der Geschlechter langfristig den Verlust von männlichen Ressourcen für die Frauen. Ich bin mir nicht sicher, ob das die Frauen so wollen.

Aber gut, da offenbar keinerlei Verständigungswillen und keinerlei Einsichten für die komplexen Zusammenhänge seitens der feministischen Fraktion gegenüber den unterschiedlichen Verhaltensweisen der Geschlechter in zentralen Punkten zu erkennen sind, bleibt für einen durchschnittlichen Mann unter diesen Prämissen auf Dauer nur der Selbstschutz vor »toxischer Weiblichkeit« (wie z.B. dem Rufmord einer Stokowski) übrig. Man darf erwarten, dass zukünftig der feministische Rausch, der sich aus solchen Generalanklagen ergibt, z.B. die grundsätzliche Beschützerbereitschaft der Männer gleich mit in den Abgrund reißt. Wo früher also noch gefühlt zehn Männer sofort und unaufgefordert aufgestanden sind, wenn eine Frau sich von einem anderen Mann bedroht fühlte, wird es bald keine »weißen Ritter« mehr geben. Wo früher Vergewaltiger in Knästen (aber auch in der normalen öffentlichen Wahrnehmung) in der sozialen Rangordnung auf den alleruntersten Plätzen rangierten, wird es womöglich bald heißen »alles nicht so schlimm, war ja nur eine Frau«. Und nein, die »feministischen Allies«, die den Femis in der Hoffnung nach weiblicher Aufmerksamkeit alles nachplappern, sind keine attraktive Alternativen für die Frauen. Ihr könnt mir nicht erzählen, dass ihr mit Heiko Maas oder Siechmar Gabriel wegen ihrer dick aufgetragenen Ritterlichkeit ins Bett steigen würdet. Never ever.

 


Kategorie: Male, Female

<- Zurück zu: Beiträge

 

Nach oben

16.05.2019

Der öffentliche Nahverkehr ist immer gut für Sozialstudien.

Kat: Male, Female, Politik, Gesellschaft
09.05.2019

Eigentlich sollte ich mich über diese Edeka-Werbung aufregen. Aber ich kann's nicht wirklich.

Kat: Male, Female, Politik, Gesellschaft
27.04.2019

Spülgel-Online kann es nicht lassen mit seinen tendenziösen »Berichtbestattungen«.

Kat: Kultur, Male, Female, Politik, Gesellschaft
08.04.2019

Nur als Kriegstreiber professionell: Claus Kleber.

Kat: Politik, Gesellschaft
26.03.2019

Heute hat das zahnlose EU-Palaverment die heiß diskutierte Reform zum Urheberschutz verabschiedet.

Kat: Politik, Gesellschaft, Kultur