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Über die Gier und die Kunst

16.01.2017

Eine kleine Fallstudie über eine Trennung aus dem richtigen Leben.

Ich arbeite regelmäßig mit einem Künstler zusammen, dessen Kunstobjekte seit vielen Jahren anerkannt sind. Er hat unzählige Ausstellungen mit seinen Objekten hinter sich und seine Plastiken sind sogar bis in höchste Kreise (vom Geldbeutel her gesehen, nicht intellektuell betrachtet) bekannt und etabliert. Allzu viele Details zur Art seiner Kunstobjekte will ich aber zunächst nicht nennen, da momentan einige rechtliche Auseinandersetzungen um die Nutzung seiner Markenrechte anhängig sind. Ich schreibe aus einem rein persönlichen und freundschaftlichen Interesse, nicht um juristische Raffinessen abzuwägen oder gar anzufeuern. Dennoch ist dieser Fall insofern interessant, weil er gleich zwei allseits bekannte Phänomene unserer Zeit umfasst, nämlich die Vereinnahmung der Lebensleistung durch seine ehemalige Lebensgefährtin sowie die Vorgehensweise, die diesem Künstler durch anwaltliche bzw. profitsüchtige Winkelzüge widerfahren ist.

Alles fing sehr klassisch an: Irgendwann vor etlichen Jahren lernte dieser Mann eine Künstlerin kennen. Sie verliebten sich, zogen zusammen und beschlossen, fortan seine Kunstobjekte gemeinsam zu vermarkten, was auch etliche Jahre gut funktioniert hat. Man machte gemeinsam Ausstellungen, bewohnte eine alte, komplett umgebaute Dorfschule und freute sich über den stetig zunehmenden Bekanntheitsgrad seiner Kunstobjekte. »Seiner« Kunstobjekte? Aber ja: Er war derjenige, der die Plastiken ursprünglich entwickelt und dem ganzen einen künstlerischen Überbau verpasst hatte. Da es sich um ein seriell gefertigtes Objekt handelte, entwickelte er natürlich ebenfalls die gesamte Herstellungslogistik, kümmerte sich um die Vermarktung und investierte jede freie Minute in seine Idee. Wer mit Künstlern zu tun hat, weiß vielleicht, dass die Besessenheit, mit der Künstler ihre Ideen und Erzeugnisse begleiten, mitunter anstrengend sein kann. Der Mann brannte förmlich für seine Kunst und tut dies immer noch.

Seine Lebensgefährtin war ihrerseits Malerin – und ich finde, sie ist darin gar nicht schlecht, auch wenn ich nicht über genügend künstlerischen Sachverstand verfüge, mit denen ich meinen positiven Eindruck unterfüttern könnte. Es ist halt mein spontaner Eindruck als gewöhnlicher Kunstkonsument. Sie hatte in der erwähnten Dorfschule ihr eigenes, großzügiges Atelier, wo sie ihre Bilder malen und selbtredend auch auf die tatkräftige Unterstützung meines Freundes zählen konnte, wenn sie hin und wieder an Ausstellungen und Vernissagen teilnahm. Schon aufgrund von körperlichen Einschränkungen war sie meistens nicht in der Lage, selber den Transport und die anfälligen Arbeiten bei ihren eher seltenen Ausstellungen zu bewerkstelligen. Schon das Aufspannen der Leinwände überließ sie stets ihrem Partner. Sie hatte vor Jahren den Krebs überwunden und litt außerdem an einer chronischen Herzschwäche.

Aber weil Künstler ja von etwas leben müssen, war sie natürlich auch – unter Berücksichtigung ihrer eingeschränkten physischen Leistungsfähigkeit – an zwei bis drei Tagen in der Woche in die Vermarktung der angesprochenen Kunstobjekte meines Freundes involviert. Man gründete schließlich eine gemeinsame Firma, teilte sich die Einnahmen und trat in der Öffentlichkeit als Künstlerpaar auf, um das Projekt nach vorne zu bringen. Die notwendigen Arbeiten hierfür waren vielfältig und umfangreich, erforderten sehr viele Reisetätigkeiten und ebenso viele Installationsarbeiten, die hauptsächlich mein Freund ausführte. Die Frau übernahm in der Regel einige Repräsentations- und einen gewissen Teil der Verwaltungsaufgaben, die allerdings meist aus ordinären Verkaufs-Telefonaten bestanden. Die wichtigen Kontakte knüpfte meistens mein Freund. Das war historisch so gewachsen, da er aus der Zeit vor seiner Liaison bereits viele maßgebliche Leute kannte. Unter anderem kannte er einen Herzchirurgen, der auf seine Bitte hin in einer lebensbedrohlichen Phase im Zusammenhang mit ihrer Herzkrankheit seine Partnerin behandelte. Weil der Arzt für eine Privatklinik tätig war, wäre sie als normale Kassenpatientin niemals auch nur in die Nähe seiner Fachkenntnis gelangt. Er behandelte sonst nur reiche Araber und ähnlich überkandideltes Volk.

Wie das aber oft so ist, erschlaffte die Liebe zwischen den beiden mit den Jahren und die Beziehungsstreitigkeiten nahmen an Häufigkeit und Härte zu. Dazu kam, dass die Frau einen Anwalt als Sohn hatte; einen dieser nassforschen Karrieristen, der nach dem kalvinistischen Prinzip »Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott« lebt und seine Mitmenschen lediglich als Erfüllungsgehilfen für die eigene Geldakkumulation betrachtet. Von seiner Mutter wusste er, dass die Kunstobjekte ihres Partners gut liefen und er wollte sich dieses scheinbar einfache Geschäft nur allzu gern unter den Nagel reißen. Da mein Künstlerfreund von juristischen Finessen damals keinen Schimmer hatte, jubelte besagter Winkeladvokat ihm einen Vertrag unter, mit dem die Markenrechte an den Kunstobjekten kostenlos und für alle Ewigkeit an die gemeinsame Firma, die aus meinem Freund und seiner Partnerin bestand, übertragen wurden.

Schließlich trennte sich das Paar und nun wollten sie und ihr missratener Sohn das ganz große Geschäft machen. Denn die Kunstidee war international etabliert, die Produktion der Objekte scheinbar simpel und es winkte das »Easy Money«. Über einen Kontakt, den (wie meistens) mein Freund ursprünglich hergestellt hatte, wollte man sich nun in das Abenteuer USA stürzen und dort den Markt in ganz großem Stil aufrollen – aber nicht wie bisher mit der gemeinsamen Firma meines Kumpels. Wie gesagt, die Idee war etabliert und angesehen, es waren keine Entwicklungskosten notwendig und die Aussicht, dass die Objekte auch über dem großen Teich Zuspruch finden würden, war durchaus realistisch. Die Ex-Partnerin gründete mit der tatkräftigen Vorfinanzierung ihres Sohnes (des Anwalts) kurzerhand eine neue GmbH und übertrug die Markenrechte, die sie aus der gemeinsamen Firma mit meinem Freund besaß, flugs an ihre neue Firma (die GmbH). Das konnte sie, schließlich hatte mein Freund dummerweise unterschrieben, dass er und seine Partnerin in der gemeinsamen Firma gleichberechtigt sind. Alles aus reiner Liebe wohlgemerkt; hätte er nicht zwingend machen brauchen. Aber Männer sind in dieser Beziehung oft, viel zu oft, komplett blauäugig.

Die Ausstellungen in den USA waren schließlich gebucht. Unter anderem sollten die Objekte vor der Freiheitsstatue stehen, in Boston, in Philadelphia u.a.m. – sogar das Weiße Haus war im Gespräch. Das wäre für das Renommee seiner Kunstobjekte natürlich extrem förderlich gewesen, wenn es dazu gekommen wäre. Es gab hauptsächlich zwei Gründe, warum die geplante Tour dann doch nicht stattfand. Zum einen fand mein Freund als Urheber der Kunstobjekte, dass diese in den USA nicht allzu überteuert verkauft werden sollten, denn die völlige Kommerzialisierung seiner Kunstobjekte hätte die künstlerische Idee komplett verwässert. Und außerdem stellte seine Ex-Partnerin mit der Zeit fest, dass die Kunstobjekte und die zugehörigen Produktionsschritte im alltäglichen Prozedere doch mit einem erheblichen Aufwand verbunden waren. Das ging von der Herstellung über die Lagerung bis hin zu simplen Verpackungsfragen sowie Zoll- und Einfuhrmodalitäten. Es reicht einfach nicht aus, ein paar Pakete in einen Übersee-Container zu stecken. Das hatte sie nicht überrissen. Schließlich bekam sie kalte Füße, zog sich aus der Unternehmung zurück und ließ den US-Kontakt im Regen stehen.

Doch der Drang nach Kohle war, insbesondere durch die Begehrlichkeiten des zuvor genannten Anwalts (ihr Sohn), ungebrochen. Die letzte gemeinsame Ausstellung hatte das Künstlerpaar nämlich im europäischen Ausland gemacht. Dabei handelt es sich um eines der wichtigeren Kunstevents. Man schloss einen Vertrag mit dem Galeristen ab und installierte einige der Kunstobjekte als Festinstallation. Aber es sollten natürlich auch Objekte verkauft werden – auch Künstler müssen schließlich kacken. Zum Erstaunen meines Freundes sind (laut Steuerbüro) inzwischen Objekte in der Höhe von schätzungsweise mehreren hunderttausend Euro im Nachgang zu dieser Ausstellung verkauft worden. Geld hat mein Freund allerdings nicht gesehen, denn die Lieferung erfolgte – ihr ahnt es schon – natürlich über die neue GmbH, die seine Ex-Partnerin gegründet hatte. Das hatte zur Folge, dass die ursprüngliche gemeinsame Firma der beiden fast in den Bankrott getrieben wurde. Und genau das war wohl auch das eigentliche Ziel des Anwalt-Sohns: Die gemeinsame Firma des Künstlerpaares kaputt wirtschaften und anschließend dasselbe Geschäft in einer neuen GmbH weiterführen; ohne Investitions- und Entwicklungskosten und ohne Entschädigung für die Markenrechte – die übrigens nur ziemlich teuer zu kriegen bzw. nur gegen hohe Gebühren zu verlängern sind.

Auch das Phänomen des unbedingten Zerstörungswillens nach so einer Trennung war auffällig. Denn mein Freund hat inzwischen mehrere Anzeigen von seiner Expartnerin am Hals. Unter anderem beschuldigte sie ihn der Steuerhinterziehung – wohlgemerkt in der gemeinsamen Firma und nachdem sie über Jahre nie auch nur ein Wort in dieser Richtung verloren hatte. Allerdings gab es nie solche Steuervergehen. Der Vorwurf diente lediglich der nachträglichen Rache. Doch ist so ein Verfahren erstmal in Gang gesetzt, ist es schwer, die Schergen des Finanzamtes loszuwerden.

Nun steht mein Freund ziemlich zerknirscht da. Er hat sich schon damit abgefunden, dass seine Ex-Partnerin aufgrund eines flüchtig unterschriebenen Vertrages von den durch ihn bezahlten Markenrechten profitiert, obwohl sie quasi nichts zur Entstehung seiner ureigenen Idee beigetragen hat. Dagegen kann er rein juristisch nichts mehr machen. Seine Kunstidee, die er über viele Jahre entwickelt hatte, wird inzwischen von seiner Ex als ihre eigene Leistung vermarktet. Der Form halber wird er zwar als Urheber genannt, aber den Profit aus dieser Idee streicht sie für sich ein. Er muss nun wahrscheinlich Unsummen für Prozesse im Ausland aufwenden, um überhaupt seinen Anteil am Gewinn der o.g. Ausstellung einzufordern. Aber mal abgesehen von den erwartbaren juristischen Finessen sieht er sich natürlich vor allem in menschlicher Hinsicht betrogen. Da fallen dann schon mal ein paar sehr hässliche Worte von Zeit zu Zeit.

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Stellt euch vor, ihr habt eine nützliche Erfindung gemacht oder eben eine erfolgreiche Kunstinstallation ins Leben gerufen. Dann verliebt ihr euch und teilt euren Erfolg mit eurer Lebensgefährtin. Beide profitieren gleichermaßen davon. Nach etlichen Jahren trennt ihr euch von dieser Frau, um anschließend festzustellen, dass sie mit eurer ureigenen Idee plötzlich in Eigenregie Geschäfte macht. Sie findet, dass sie dasselbe Verwertungsrecht hat, weil sie schließlich mal mit ihm ins Bett gegangen ist und er ihr dafür eine Entschädigung schuldet. Und zuguterletzt tritt sie auch noch nach und versucht, seine Existenz zu bedrohen, indem sie ihn mit wilden Vorwürfe bei den Behörden denunziert.

In kleinerem Umfang findet man solche Entwicklungen bei den meisten Trennungen bzw. Scheidungen wieder – und wie hier beschrieben, muss man nicht einmal dafür verheiratet sein. Es geht mir gar nicht darum, die weibliche Profitsucht monströs zu verallgemeinern, obwohl es schon auffällt, dass bei Trennungen meistens der männliche Part die finanziellen Hauptlasten tragen muss. Es gibt ganze Regalmeter bei Amazon über die Kunst, sich bei einer Scheidung gesund zu stoßen. Die Trostpflaster à la »...hat ihm dafür den Rücken frei gehalten« klingen dagegen wie blanker Hohn. Fairerweise muss ich sagen, dass ich auch eine Menge anständige Frauen kenne, keine Frage. Darum geht es aber gar nicht, denn ein faires Miteinander auf Augenhöhe muss man als Mindeststandard erwarten können. Doch offensichtlich ist dieser merkwürdige Volkssport inzwischen allgemein akzeptiert. Er findet seine Ausläufer z.B. in solchen zynischen Ergüssen wie »habe absichtlich die Pille vergessen (BLÖD-Zeitung)« oder wie jüngst in Form der Bevorzugung von untalentierten Frauen im Öffentlichen Dienst in NRW (ging durch die Presse; sollte bekannt sein). Es herrscht jedenfalls kein Mangel an solchen Zynismen.

Heutzuage wird ja gerne das Lösungswort »Reset« bemüht, wenn es um solche grundsätzlichen Fehlentwicklungen geht – die selbstverfreilich auf lange Sicht systemische Konsequenzen haben werden. Was das Geschlechterverhältnis betrifft, wäre allerdings »ALT+F4« (Windows) wohl momentan die bessere Lösung – MGTOW eben.

So, genuch aus dem Nähkästchen geplaudert. Ich wollte noch schnell einen Link zu einem sehr lesenswerten Text zum Thema Gleichstellungspolitik von Günter Buchholz (»Frankfurter Erkältung«; SCNR) loswerden. Für Fans von schneidend scharf formulierten Argumenten eine schöne Lektüre; zwar von 2011, aber m.E. immer noch vollumfänglich zutreffend.

Dann fand ich bei Telepolis (glaub ich) einen Link zu einem Youtube-Song namens »My Girl's Pussy (1931)«. Herrlich! Wenn man in die rechte Video-Spalte mit den weiteren Vorschlägen guckt, stehen da noch mehr Megahits wie »Lick It Before You Stick It« oder »Shave Me Dry«. Wir leben definitiv in den falschen Zeiten.


Kategorie: Kultur, Male, Female

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