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Das wird nix mehr mit Spülgel Online

10.12.2018

Ein Hofberichtbestatter hat sich gestern »Anne Will« angeguckt. Geschlechterkampf pur war das, meint dieses verlorene Journalistenseelchen.

Der Spülgel-Schreiber Arno Frank ist mir schon mehrfach wegen seiner hochideologisierten Machwerke unangenehm aufgefallen. Heute fand ich einen Abriss von ihm zur gestrigen »Anne Will«-Quasselstunde, also einer der »Klofrauen der öffentlich-rechtlichen Bedürfnisanstalten« (Georg Schramm). Es ging um die Intronisation des inzwischen schon als berüchtigt geltenden Merkel-Klons Annegret Krampf-Knarrenkasten (ab hier »AKK«). Denn die arme Frau AKK war in der sonntäglichen TV-Runde gleich von mehreren »alten weißen Männern« umgeben, gegen die sie laut Frank einen heldenhaften Kampf der Gleichberechtigung führte. So erklärt sich auch der monströse Titel seines Artikelchens: »Die Neue zerlegt die alten Herren«. Aber hallo!

An einer Stelle zeigte sie diesen unverbesserlichen Machos »die Krallen«, schreibt Frank. Mitdiskutant Kubicki (FDP) wurde angeblich irgendwann von AKK »erledigt«, denn sie (AKK) »schlägt in Kerben und fällt den Baum«, so das pathetische Fazit seines Hofberichts. Vollends peinlich wird er hier:

Der Kampfbegriff von den "alten weißen Männern", spätestens an diesem Abend kam er im Mainstream an. Zu verdanken haben das die alten weißen Männer nicht nur einer kämpferischen Kramp-Karrenbauer. Sondern den beiden breitbeinigen Prachtexemplaren Kubicki und Steingart.


Solch einen Betamann-Erguss wie den vom braven Geschlechterkrieger Frank kennt man auch von vielen anderen Kolumnen und Berichten im Spülgel. Mit Journalismus hat das zwar nichts zu tun, dafür aber viel mit kritik- und distanzloser Gesinnungs- und Gefälligkeitsschreiberei. Besondere Vorzüge hat AKK als Politikerin nämlich gar nicht vorzuweisen – außer eben, dass sie sporadisch feminilistische Parolen runterbetet. In ihrem kuscheligen Saarland haben ihre emanzipatorischen Zauberkräfte (die bekommt man nur durch jahrzehntelange meditative Sitzpinkelei) zwar nicht dazu geführt, ein bundesdeutsches Wohlstandsphänomen auszurufen. Aber das ist für feminilistisch verstrahlte Zeitgenossen wie Frank nur solange ein Problem, bis alle weißen, heterosexuellen, alten »Mansplainer« aus dem Verkehr gezogen sind. Schließlich wurde #metoo genau dafür erfunden! Wusstet Ihr das etwa nicht? Also ich wusste das.

Oh, und natürlich würde Frank gegenüber AKK oder ihrer Ziehmutter Merkel niemals von »alten, weißen Frauen« sprechen, denn das wäre ja frauenfeindlich. Bei den Männern der Runde sind allerdings solche Schimpfattacken wie »Herrenreiter« und »breitbeinige Prachtexemplare« überhaupt kein Problem. Nun gut, jede Kolumne bei Spülgel-Online ist mit irgendwelcher feminilistischen Kackscheiße aufgeladen und für sich betrachtet zunächst nicht bedeutsamer als jeder Artikel in einer beliebigen Schülerzeitung. Selbst das »konservative« Kolumnenfeigenblatt Jan Fleischhauer schwänzelt ebendort bei neuralgischen Themen wie dem epochalen Frauenthema gerne um den heißen Brei herum. Gegen Frauen darf man in den Hochleistungsmedien einfach nichts Böses schreiben; das gehört zum Spülgel-Duktus. Nur, dass das keiner mehr lesen will. Und deshalb sind auch die Leserkommentare wie meistens um Längen spannender als das minderbegabte »Frauen, Frauen, Frauen!«-Gedöns eines Arno Frank.

 

Gelbwesten

Mit Phänomenen, die die übliche Friedhofsruhe in Politik und Medien durch­einander bringen, hat's die deutsche Systempresse generell nicht so. Seit Tagen rätselt man in den Redaktionsstuben rum, wie man denn die Proteste bei unserem ehemaligen Erbfeind Frankreich einordnen soll. Schließlich hatte man seinerzeit große Stücke auf Legoman Macron und seine elitären Minions gesetzt. Verschiedentlich munkelte man schon »HartzIV für Frankreich!«, um – wie in Germoney – wenigstens den Anschein von sozialem Frieden aufrechtzuerhalten. Aber, lebhaft wie die Franzosen nun mal so sind, haben sie den antisozialen Braten gerochen und protestieren ganz spontan drauf los – und zwar so heftig, dass die Großkopferten auf einmal realisieren »Macht ist also leider doch nicht immer nur eine Frage des Erbrechts«.

Dabei böten die wildgewordenen gelben Franzosen eine gute Gelegenheit, sich einmal mit grundsätzlichen Fragen der Demokratie, der sozialen Frage, der politischen Repräsentanz und diversen anderen Dauerbrennern der Historie auseinanderzusetzen. Zum Beispiel taugt der Anlass der französischen Proteste, die Erhöhung der dortigen Spritpreise, in der gesalbten Presse wieder nur als eine Art singuläre Situationskomik. Die wirklich großen Fragen entstehen aber gerade erst: Wir werden einen riesigen Batzen an Arbeit in den nächsten Jahrzehnten verlieren durch Automation und Digitalisierung. Allein der Umstieg auf die viel beschworenen elektrischen Autos soll z.B. 100.000 Arbeitsstellen kosten – und zwar solche, die bisher gut bezahlt waren und die unsere Visitenkarte in die Globalisierung darstellten. Konzepte dagegen? Keine. Im Gegenteil: Die kriminellen Sesselpupser in den Vorstandsetagen unserer Autokonzerne werden von der Politik förmlich angebetet, statt sie – berechtigterweise – vor den Kadi zu zerren.

Überhaupt ist es mit der Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklungen bei unseren Politikdarstellern nicht so weit her. Seit Schröder/Fischer ihren beispiellosen Raubzug durch den Sozialstaat begonnen haben, ist das Arbeitskontingent insgesamt kaum größer geworden, sondern es ist vielmehr extrem segmentiert worden. Wie sonst ist der massenhafte Reallohnverlust breiter Bevölkerungs­schichten bei gleichzeitig exorbitantem Wirtschaftsboom und steigenden Steuereinnahmen unter einen Hut zu bringen?

Das alles geht allen möglichen hart arbeitenden Leuten in Europa schwer auf den Sack. Statt sich aber deren Sorgen anzuhören, orakelt unsere erlauchte Presse höchstens darüber, ob die »Gilets Jaunes« nun eigentlich links oder rechts sind oder wer denn ihr Anführer sei. Lose, vor allem führerlose Protestbewegungen sind den führungsgeilen, kleingeistigen Repräsentanten in Staat und Gesellschaft nämlich äußerst suspekt. Im Ernstfall müsste der Staat ja ganze Bevölkerungsgruppen inhaftieren und ggf. an die Wand stellen lassen – wo man sonst mit ausgewählten Rädelsführern alleine schon Angst und Terror verbreiten konnte. Moderne Zeiten halt! Fakebook ist schuld! Nein, Twitta! Nein, Hate Speech! Nein, Putin! Ja, Putin! Ohne Scheiß jezz: Dieses Gerücht geisterte tatsächlich ebenfalls durch die gleichgeschaltete Presse. Jesses, werden die denn überhaupt nicht schlauer?

Ach ja, einen relativ ungefilterten Blick auf die lebhaften Proteste in Frankreich brachte vor einigen Tagen »Russia Today« (RT); etwa eine halbe Stunde lang.

 

Australien kann es nicht lassen

Böse Nachrichten erreichen mich aus Down Under: Dort gibt es immer noch einen eklatanten »Gender Pay Gap« und zwar bei Anbietern von Nackt-Reinigungs­diensten. Während man in Australien nackte Putzfrauen, Fenster­putzerinnen und Büglerinnen schon für 90 australische Dollar (ca. 58,- Euro) buchen kann, kosten männliche nackige Gärtner demgegenüber astronomische 169,- Dollar (ca. 108,- Euro). Skandal! Und nein, die Kundschaft darf das sonnenbrand-anfällige Dienstpersonal nicht anfassen, nur angucken – sagt jedenfalls der Anbieter. Über diesen zivilisatorischen Rückschritt bei der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen berichtete ebenfalls RT Deutsch.

Aber Kriegsministerin Flintenuschi hat immerhin schon mal den Tagesbefehl ausgegeben: »Meine Freiheit wird auch in Sydney und Canberra verteidigt«.Dann sind wir ja beruhigt, newahr.

 


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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