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»Ich habe doch nichts zu verbergen«

21.03.2018

Ein paar Anmerkungen zum jüngsten Fakebook-Skandal.

Die Titelzeile »...hab nix zu verbergen« kriege ich fast immer zu hören, wenn das Thema Datensicherheit aufkommt. Zum Teil kann ich es verstehen, denn die Bequemlichkeiten, mit denen die Internetgiganten wie Fakebook, Twitta oder Evil Google ihre Opfer anlocken, sind halt genau das: Äußerst bequem. Wer nach dem neuesten Datenskandal im Zusammenhang mit der Firma Cambridge Analytica und Fakebook immer noch nicht den Schuss gehört hat, bei dem ist Mitleid fehl am Platz.

Eine recht ausführliche Zusammenstellung der Chronik dieses Skandals liefern die Kollegen von Netzpolitik.org. Ich will mich deshalb nur auf ein paar wenige Aspekte in dieser Angelegenheit konzentrieren, denn die Krux an all diesen obskuren Vorgängen ist ihre technische und personelle Komplexität.

Die Kurzversion geht ungefähr so: Die britische Firma Cambridge Analytica bietet einen Persönlichkeitstest bei Fakebook an und sammelt die Daten der Teilnehmer mittels einer bei Fakebook lange üblichen Programmierschnittstelle. Wie so oft bei solchen berüchtigten »Apps« werden aber außer den persönlichen und freiwilligen Angaben der Teilnehmer auch noch ihre Kontakte, das Surf- und Konsumverhalten und einiges mehr ausgewertet. Das ist u.a. ein Preis, den man bei Fakebooks Kostenlos-Universum zahlen muss: Der gläserne Werbekunde. Zusammen mit dem allgemeinen Surfverhalten – z.B. »Likes«, die man auf Internetseiten hinterlässt – kann man aus solchen sozialen Daten allerhand Persönlichkeitsmerkmale destillieren und natürlich für bestimmte Ziele wie Wahlen einsetzen. Genau das soll angeblich bei der Wahl von Donald Trump passiert sein. Die Rede ist von 50 Mio Nutzerdatensätzen, die so durch den digitalen Wolf zugunsten Trumps gedreht wurden; also schon eine beachtliche Hausnummer und keine Petitesse.

Es wird wohl auch tatsächlich so gewesen sein. Aber Donald Trumps Team ist bei weitem nicht das einzige, das auf Microtargeting zurückgegriffen hat. Die Technik des Microtargetings in solchen Wahlschlachten, also der individuellen Ansprache des Wahlvolks mit den Erkenntnissen aus den sozialen Netzwerken, ist spätestens seit »Obama Unser« (Rolf Miller) gang und gäbe. Von der Analyse bis zur Manipulation ist es dann natürlich auch nicht besonders weit. Deshalb wird insbesondere unterstellt, dass Trump sein Amt u.a. eben mit derlei schrägen und unlauteren Methoden gewonnen hat. Doch damit steht er wie gesagt längst nicht alleine da, denn seine Kollegen auf der gegnerischen Seite betreiben exakt dieselben Spielchen. Auch sie diskreditieren und manipulieren, bis einem schwindelig wird. Es ist also die blanke Heuchelei, wenn die Verliererseite um Killary Clinton einmal mehr so tut, als hätte sich Trump durch Betrug ins Präsidentenamt schlawinert. Man muss ihn nicht mögen, aber die zwanghafte Suche nach Amtsenthebungsgründen seitens der Demokratischen Partei in den letzten beiden Jahren hat durchaus pathologische Züge. Ihr Hass auf diesen Hallodri muss gewaltig sein.

Warum die ganze Aufregung? Man könnte als mündiger, freier Bürger doch der Überzeugung sein, dass andere mündige Bürgerleins, die sich vor Mark Zuckerberg so gerne nackig machen, selber schuld bzw. für ihre Daten selbst verantwortlich sind. Immerhin ist Fakebook ein privates Unternehmen und in deren Datenpraxis haben sich staatliche Aufsichtspersonen und -institutionen grundsätzlich nicht einzumischen; eine Sache der freien Verhandelbarkeit zwischen Fakebook und seinen Usern also. Das wäre der so hoch gepriesene marktliberale Ansatz. Doch dieser Diskussionsansatz führt auf die falsche Fährte. Wer meint, dass es den Empörten, die sich momentan so lautstark mit dem »Fakebook-Skandal« beschäftigen, um so hehre Ziele wie freie Meinungsbildung und Demokratie ginge, übersieht den zentralen Grund: Geld.

Fakebook ist nämlich auch hierzulande unter Dauerbeschuss, denn Fakebook hat weltweit den Eliten ein paar wichtige Instrumentarien abspenstig gemacht wie z.B. die mediale Deutungshoheit und die damit verbundene Leserbindung. Die Verlage der Systemmedien verlieren seit Jahren ihre Konsumenten und haben bislang kein Mittel gefunden, um die verlorene Leserschaft zurückzugewinnen. Ihre Funktion als Sprachohr für regierungskonforme Verlautbarungen erodiert in den letzten Jahren in einem geradezu atemberaubenden Tempo zugunsten der »sozialen« Medien. Zum Teil liegt es an der Geschwindigkeit und der schieren Fülle der Gegenmeinungen, die man schon logistisch kaum zähmen kann. Doch der Hauptgrund für den momentanen Fakebook-Ärger dürfte in der schwindenden Deutungshoheit beim Kerngeschäft der traditionellen Medien liegen, denn diese wirkt sich unmittelbar auf Umsatzzahlen und Profite aus.

Wenn also der ehemalige Justizheiko sich lautstark über ausufernde Hass- und Fake-Nachrichten beschwert und den sozialen Medien mit drakonischen Strafen droht, dann tut er das, weil er von Lobbygruppen wie u.a. »VG Wort« oder Bertelsmann dazu gedrängelt worden ist. Denn mal ehrlich: Hatespeech seitens der Etablierten findet natürlich genauso statt. Ich erinnere nur an Siechmar Grabiel und seine »Pack!«-Tiraden oder an Spülgel-Online, die hunderttausende von Anti-TTIP-Demonstranten mal eben so als »Nazis« stigmatisieren. Schon die Unterschlagung von bestimmten Nachrichten, etwa in der Flüchtlingsfrage, muss man als das bezeichnen, was es ist: Mediale Hetze oder mindestens absichtliche Manipulation. Auch gab es in jüngerer Zeit aus genau denselben Gründen (Profiteinbußen bei traditionellen Medien) Forderungen, die Meldungen etablierter Presseorgane bei den News-Aggregatoren wie Google News, Bing sowie bei den »sozialen« Netzwerken im Ranking zu bevorzugen. So eine mediale Manipulation verkauft man dann auch noch als »Diversität der Meinungen«. Nein, es geht um Kohle, Schotter, Reibach.

Das soll keine fromme Predigt für die ach so dollen »sozialen« Medien sein. Denn ob der Medienkonsument mittels der Einheitsmeinung der Systemmedien oder über die obskuren Machenschaften von Fakebook bzw. Cambridge Analytica eingeseift wird, ist relativ belanglos. Fakebook oder Twitta (oder Google Plus, oder oder) sind auch als alternative Informationsplattformen, soweit es die Meinungspluralität betrifft, unnötig und überflüssig. Die Justizheikos machen sich was vor, wenn sie meinen, mit der Bändigung oder gar der Zerschlagung der Internet-Giganten würde wieder die angenehme politische Friedhofsruhe einkehren, die das »Durchregieren« so easy going macht. Eines ist doch klar: Selbst wenn Fakebook sozusagen »Berufsverbot« bekäme, wären als nächstes die Millionen von kritischen Websites, die es sonst noch so gibt, im Visier der geliebten Bundesregierung. Ein Haufen Arbeit – ohne blanke Willkür und diktatorische Regularien ist das nicht zu bewältigen.

Bleibt noch die Frage, was man persönlich tun kann, um den Betörungen von Zuckerberg, Google und den mindestens ebenso manipulativen Systemmedien zu entgehen. Ich kann mich nur wiederholen: Schmeißt sie alle aus euren Geräten, egal wie bequem sie euer Digitalleben machen. Kein Handy mehr mit Google Play Store, kein WhatsApp, kein Fakebook, kein Twitta, nichts. Es gibt Alternativen zu all den dollen Zusatzdiensten (etwa OSMAnd, der Kartendienst von »Open Street Map«). Man kann Nachrichten auch immer noch per SMS oder Mail (möglichst ein privates Konto) versenden; selbst Mailgruppen sind ein alter Hut. Man kann aber vor allem auch mal an die frische Luft gehen und mit echten Menschen reden – ganz neues Konzept!

Die Einbußen sind relativ gering, die Datenkontrolle ist der eigentliche Gewinn. Selbst für Blogs möchte ich empfehlen, sich nicht den großen »kostenlosen« Datenkraken auszuliefern, sondern eigene Server oder wenigstens einen eigenen Webspace zu betreiben. Auch Script- bzw. Adblocker gehören zum digitalen Alltagsgeschäft. Mag sein, dass die Gierigen an den gesalbten Stellen sich irgendwann neue Zensur-Schweinereien ausdenken. In Kleinbritannien kann man ja anscheinend schon in den Knast kommen, wenn man das Falsche denkt. Begründung: Es könnte sich ja um eine zukünftige Straftat handeln; ganz wie in »Minority Report«.

Und dann will man ernsthaft russische, chinesische oder sonstige Meinungs­manipu­la­tionen großartig anprangern? Lächerlich.

Und nun der Werbeblock:


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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