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»Indizien«

28.03.2018

Verschwörungstheorien der Massenmedien

Das Ding mit dem Giftgasanschlag in Salisbury ist so eine Verschwörungstheorie. Da passt einfach nichts wirklich zusammen, weder Motiv, noch Zeitpunkt, noch der Ort. Es gibt z.B. sicherlich leichtere Wege für den russischen Geheimdienst, sich an bereits pensionierten ehemaligen Doppelagenten zu rächen – falls der Vorwurf denn überhaupt stimmt. Wieso sollte man einen Rentner, der ja anscheinend bereits in Russland 13 Jahre Haft wegen seiner doppelten Agententätigkeit abgesessen hatte und anschließend nach Kleinbritannien emigrierte, ausgerechnet in der Öffentlichkeit mit seiner Tochter auf einer Parkbank drappieren?

Hey, da fällt mir noch so eine schöne Verschwörungstheorie ein: Auffällig in diesem Zusammenhang ist ja vor allem, mit welcher Hysterie plötzlich so und soviele Länder russische Diplomaten des Landes verweisen. Dass belastbare Beweise bislang fehlen, ignorieren wir mal. Aber gab es nicht in letzter Zeit eine Androhung der Trump-USA, Europa mit Importzöllen auf Stahl und Aluminium zu belegen? Auf wundersame Weise haben die sich plötzlich, wenn auch nur »vorläufig«, in Luft aufgelöst. Vielleicht hat Trump ja einen Deal mit den blöden Europäern gemacht, etwa so:

»Okay, Europe, ihr macht was gegen die Russen und dafür dürft ihr erstmal ohne Strafzölle weiterleben.«


Zeitlich betrachtet, käme das ungefähr hin. Mit welchen »Argumenten« hat man denn sonst den schrillen Herrn Trump von seinen Zollabsichten abhalten können? Mit dem Süßholzgeraspel von Herrn Altmaier etwa? Pah, das glaubt ja noch nicht mal seine Chefin.

Wenn man die US-Medien ein wenig verfolgt, dann hat die antirussische Aufregung seit zwei Jahren (seit Trumps Amtsantritt nämlich) um etliche Potenzen zugelegt. Die bösen Russen sind einfach für alles verantwortlich, was in 'merica schlecht läuft. Die auflagenstärksten Medien, die meisten davon eher der Demokratischen Partei zugetan, weinen immer noch dem Wahlverlust von »Crooked Hillary« hinterher. Hinter den Kulissen wissen die Medienmacher allerdings nur zu genau, dass der gesamte Hoax »Russland hat die US-Wahlen beeinflusst« nichts mit der Wahrheit zu tun hat. Das geben sogar Verantwortliche bei CNN zu. Es geht einmal mehr nur um Auflagenzahlen und Clickbaits.

Das Ausmaß dieser größtmöglichen Panikmache gegenüber den Russen ist sicherlich in Gawd's Own Country um einiges aufgeladener als auf dem alten Kontinent, also bei uns.

Aber wie man weiß, sind unsere transatlantischen Wiederkäuer hierzulande sehr fleißig in ihrem stetigen Bemühen, diesem »exzeptionellen« Land (O-Ton Obama Unser) als Drama Queen der Weltbühne nachzueifern. Da man den Russen momentan nur nebulös-virtuell ans Bein pinkeln kann, weil es gerade ein wenig an handfesten Beweisen hapert, versucht man auf die küchenpsychologische Tour, Stimmung im Volk zu machen.

Gestern z.B. habe ich mir doch tatsächlich wieder mal den klebrigen Klaus in seiner »heute«-Propagandabude angesehen. Aber das war eher ein Versehen, weil diese medialen Tranfunzeln immer in Fußball-Halbzeitpausen angewackelt kommen. Pinkeln musste ich auch gerade nicht, die Sendung war aufgrund des Klassikers Brasilien gegen Deutschland sowieso verkürzt und ich hatte noch keinen Wetterbericht gesehen – also blieb ich sitzen. Das Salisbury-Incident war natürlich Thema, allerdings ohne neue Erkenntnisse, außer man findet die Ausweisung von 140 russischen Diplomaten aus diversen europäischen Ländern eine seriöse Meldung.

Die eigentliche Meldung war allerdings ein Bericht über die jüngste Brandkatastrophe in Sibirien mit über 60 Toten, etliche davon Kinder. Hier konnte man die ganze Perfidie und Boshaftigkeit unserer Elitemedien bestaunen. So zeigte man Putin beim Besuch von Verletzten im Krankenhaus mit der unüberhörbar tendenziösen Wertung, dass der russische Präsident da wohl etwas unbeholfen wirkte. Was soll der Mann denn machen außer Zuspruch? Verbände wechseln? Live eine Not-OP durchführen, während er mit nacktem Oberkörper auf einem Bären reitet? Vor allen Kameras bekennen »Die Russen waren's«?

Zwischendrin nörgelte man auch noch rum, dass die weltpolitisch so wichtige englische Giftgas-Episode derzeit in Russland gar nicht so sehr im öffentlichen Fokus stünde, eben wegen der schlimmen Sache in Kemerowo/Sibirien. Das klang fast ein bisschen beleidigt, dass die bösen Russen den britischen Bohei einfach so ignorieren, wo doch die Blut- und Busenpresse grad so schön in Fahrt war auf der kritischen Insel.

Eine weitere Szene zeigte eine aufgeregte Menge in Kemerowo, die von Putin eine lückenlose Aufklärung der Umstände der Brandkatastrophe forderte. Auch dabei konnte sich das ZDF nicht verkneifen zu erwähnen, dass das geschundene Volk sich von Putin nicht allzu viel Aufklärung erwarten dürfe. Begründung? Keine. Die Opfer sind noch nicht einmal geborgen, da benutzt man sie beim ZDF schon als Denunziations-Vehikel.

Ich möchte mal daran erinnern, dass eine Frau Merkel beim schlimmen Anschlag auf dem Breitscheidplatz in Berlin (Weihnachtsmarkt-Attentat) es überhaupt nicht für nötig erachtete, sich mit Opfern oder den Hinterbliebenen zu beschäftigen. Dabei sind diese Toten und Hinterbliebenen das unmittelbare Resultat ihrer laxen, »grenzenlosen« Einwanderungspolitik. Auch bei der anschließenden Aufarbeitung hat sich der liebe böse Staat nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Angeblich wurden den Hinterbliebenen sogar die Kosten für die rechtsmedizinischen Untersuchungen in Rechnung gestellt. Und das in dem Land, in dem wir »gut und gerne sterben«. Auch zu den Ermittlungspannen im Vorfeld im Hinblick auf den Attentäter könnte man so einiges sagen, denn die dort offenbarte Unfähigkeit und die anschließende Konsequenzlosigkeit lassen einen eher Unfähigkeit mit großer Tendenz zur Boshaftigkeit vermuten. Meines Wissens wurde niemand zur Verantwortung gezogen.

Es geht, wenn man das ganze Bild betrachtet, nicht darum, ob bestimmte Länder in anderen Länder Einfluss zu gewinnen versuchen. Gerade darin haben unsere westlichen Demokratien, allen voran die USA, selber eine lange Erfahrung. Es geht auch nicht um die Frage, ob der russische Geheimdienst zu Giftanschlägen grundsätzlich in der Lage wäre, denn das ist er mit Sicherheit. Aber auch hier fiele jedoch ein direkter Vergleich mit ähnlichen Maßnahmen unserer »verbündeten« Staaten zu deren Ungunsten aus. Die Liste wäre jedenfalls lang und schmutzig. Aber worum geht es? Es geht vor allem darum, dass solche Skandale auf politischem Weg gelöst werden und nicht mit diplomatischen Hillbilly-Methoden.

Eine besondere Rolle fällt dabei den Medien zu. Wie niemand sonst können Medien ganze Weltkriege aus dem Nichts herbei schreiben. Bei den geifernden, extrem tendenziösen Berichten, die man seit etlichen Jahren erleben muss, fühlt man sich unweigerlich an das Buch »Die Schlafwandler« von Christopher Clarke erinnert. Darin geht es um die Entstehung des Ersten Weltkriegs und u.a. die unrühmliche Rolle der Hauptmedien dabei. Die Dämonisierung des vermeintlichen Feindes in den Systemmedien fand nämlich schon damals lange vor dem eigentlichen Kriegsausbruch statt – und zwar europaweit. Ähnliches trifft ja such auf die beiden Irak-Kriege oder auf die desaströsen Kriegseinsätze in Syrien und Libyen zu.

Niemand verlangt, dass man Putin oder korrupte russische Seilschaften gut findet. Aber gemessen an den eigenen Standards verhalten sich die westliche Politik und ihre Lakaien in den Mainstream-Medien schon seit Längerem nicht weniger unglaubwürdig. Mag sein, dass der Westen sich angesichts aufstrebender Staaten (vor allem China und Russland, aber auch einige kleinere asiatische Länder wie z.B. Vietnam) in die Enge gedrängt fühlt. Allerdings waren wir, was die friedliche Beilegung solcher Differenzen betrifft, schon einmal sehr viel weiter. Im Moment läuft es augenscheinlich immer nur auf eines zu: There will be blood, no matter what. Nein, das kann man nicht mal mehr mit Satire abbügeln, sorry.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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