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Sexpuppen

08.03.2018

Pünktlich zum Frauentach bringt Telepolis eine Diskussionsrunde zum Thema.

Seit einiger Zeit gibt es bei Telepolis den sogenannten »Salon«, in dem bestimmte Themen in einer Liverunde diskutiert und später im Internet veröffentlicht werden. Warum Telepolis allerdings seine Streams ausgerechnet auf Fakebook veröffentlicht, bleibt schleierhaft. Auch sollte jemand den Diskussionsteilnehmern bei Gelegenheit den Gebrauch eines Mikrofons erklären bzw. auf Ansteckmikros umsteigen (kosten nicht viel mehr) oder zusätzlich ein Grenzflächenmikro zuschalten. Die Audioqualität ist wirklich streckenweise lausig. Das muss heutzutage nicht mehr sein. Es ist mir ein Rätsel, wie ein Technikverlag wie Heise, der ja sonst durchaus ansprechende Videobeiträge zu produzieren in der Lage ist, beim »Salon« offensichtlich mit Amateur-Equipment und ohne jede Nachbearbeitung ans Werk geht.

Martin Scholand, ein Hersteller solcher »Liebespuppen« sprach von einem neuartigen Material namens TPE (hoffentlich hab ich das akustisch richtig verstanden), dass haptisch der menschlichen Haut extrem nahe kommen soll; viel besser jedenfalls als das bisher übliche Silikon. Auch versuchte er, den Schmuddelaspekt zu relativieren, denn – da hat er Recht – längst nicht jeder Mann hat einen freien Zugang zu Sex, wobei die Gründe sehr unterschiedlich sein können und vor allem nicht immer mit »Notgeilheit« skandalisiert werden müssen. Die Bandbreite reicht von Körperbehinderungen bis zu schnöden Zeitproblemen. Aber er sagt auch, dass vielen seiner Kunden der immense Aufwand in einer »normalen« Partnerschaft einfach zu hoch ist. Dazu weiter unten mehr.

Scholand wurde ebenfalls nach dem Problem »Pädophilie« gefragt; insbesondere, ob seine Firma auch »Liebespuppen« für diese Klientel herstellen würde. Das ist wie immer ein heikles Thema, welches von feministischer Seite nur zu gerne benutzt wird, um die gesamte Branche in Verruf zu bringen. Scholand beantwortet die Frage nach Gesetzeslage: Pädophilie betrifft ca. 200.000 Menschen in Deutschland (das sind nicht alles, aber vorwiegend Männer), für die es ca. 200 Therapieplätze gibt. Ja, Pädophilie ist eine von den Krankenkassen anerkannte Krankheit. Auch sagt das Gesetz, dass »Pädophilie mit Maschinen bzw. Dingen« nicht strafbar ist. Die Behauptung, dass durch ein Sexpuppen-Angebot in diesem Bereich die pädophilen Kriminalfälle automatisch steigen würden, ist so nicht haltbar. Nimmt man das Überangebot an Pornografie z.B. im Internet und vergleicht es mit den Fallzahlen bei Vergewaltigungen, müsste man sogar feststellen, dass seit der Einführung des WWW die Vergewaltigungszahlen zurückgegangen sind – zumindest wenn man die steigenden Fallzahlen wegen einer vergeigten Einwanderungspolitik davon subtrahiert. In der Summe kann man aber sagen: Alarmismus ist hier der völlig falsche Ansatz.

Auftritt Barbara Vinken. Sie ist eine Kulturwissenschaftlerin, die erwartungsgemäß eine sehr kritische Distanz zu all den neuen Entwicklungen hat. Sie unterstellt den Käufern der Lovedolls sofort »Frauenhass« und »eine generelle Unfähigkeit, sich mit Frauen auseinanderzusetzen«. Auffällig an ihr ist ein ständiges Grinsen und Giggeln, wenn Detailaspekte dieser Puppen zur Sprache kommen, was sie als nicht besonders souverän erscheinen lässt. Es erinnert vielmehr an so manche Schulhofszene, wo unerfahrene Girlies sich an das Thema Sex heran plappern. Vinken kaschiert ihre sichtbare Hibbeligkeit dann mit einigen literarisch-historischen Verweisen sowie überflüssigen Anglizismen, die Belesenheit und Klugheit antäuschen sollen und behauptet sinngemäß, dass die sexuell keusche, zurückhaltende Frau eine Erfindung des Puritanismus sei. Vorher wäre es immer darum gegangen, das angeblich extrem ausufernde Sexbedürfnis der Frauen »einzuhegen«. Das ist historisch arg verkürzt und als These so nicht haltbar.

Sie dichtet den männlichen Käufern im Zusammenhang mit Sexpuppen »Narzissmus« an, weil sie insbesondere negiert, dass Sexbedürfnisse erstens ein natürlicher Trieb seien und zweitens Männer kein Recht auf unmittelbare Befriedigung ihrer Bedürfnisse hätten. Eine ihrer Thesen lautet sinngemäß, dass Sexpuppen lediglich ein weiterer (neuartiger) Fetisch sind und sie kann nicht erkennen, dass sich damit die Erotik substanziell verbessern könnte. Damit hat sie faktisch zugegeben, dass sie das Thema im Grunde nicht verstanden hat, denn Sexpuppen werden eben genau nicht dafür hergestellt, ein wie immer geartetes Verhältnis zu Frauen (im Sinne von Mitmenschen) auszugestalten. Das können Fetische generell nicht.

Auch geht es bei Sexdolls nicht darum, deren ständige Verfügbarkeit in die sexuellen Beziehungen mit realen Frauen zu transferieren. Wer, außer pathologischen Vergewaltigern, könnte so etwas wollen? Sie bewegt sich also in ihrer Beurteilung dieses Phänomens ungefähr auf dem unerträglich dummen Niveau einer Alice Schwarzgeld und deren Einstellung zu Pornografie und Fetischismus: »Pornografie ist die Theorie, Vergewaltigung die Praxis«. Immerhin will Vinken kein Verbot dieses neumodischen Sexpuppen-Trends: »Das ist zwar nicht das Schönste, was wir uns (in sexueller Hinsicht) vorstellen können. Es wäre glücklicher, wenn es anders wäre«.

Symptomatisch für derlei Diskussionen sind immer mehrere zentrale Punkte, die aber fast nie in die öffentliche Diskussion einfließen. Der erste ist vielschichtig: Wie weiter oben schon angedeutet, geht der Trend trotz einer übersexualisierten Kultur eher zu weniger sexuellen Beziehungen. Die Verfügbarkeit von »sexuellen« Techniken scheint sich also reziprok zur Häufigkeit der tatsächlichen Sexkontakte zu entwickeln. Das bringt für die betroffenen Gesellschaften (hauptsächlich die westlichen) sogar immer größere ökonomische Probleme mit sich. Denn versingelte, einsame Männer investieren kaum in Konsumgüter wie Häuser, Familie, Autos oder allgemeinen Wohlstand. Nach meiner Erfahrung kommt ein Mann, was den Konsum betrifft, mit z.T. extrem wenig Kapitaleinsatz aus (solange er nicht die Gier zu seinem grundsätzlichen Lebensprinzip erhebt). Es sind vielmehr die Frauen, die am meisten konsumieren – und die die meisten Ressourcen verschwenden; aber das darf man öffentlich nicht sagen.

Ein weiterer Aspekt ist, dass es ein eklatantes Ungleichgewicht bei den Investitionen während der Anbahnung von sexuellen/erotischen Kontakten gibt. Die Erwartungen der Frauen sind glasklar: Sie insistieren auf einem umfangreichen Bouquet an Bespaßungen und Romantik-Dienstleistungen (auch lange über die erste Kennenlernphase hinaus), müssen aber selbst lediglich ihre (potenzielle) sexuelle Bereitschaft »vorrätig halten« – ohne ihre sexuelle Suggestion de facto jemals einlösen zu müssen (das wäre ja sonst eine Vergewaltigung). Viele, sehr viele Männer empfinden das inzwischen als völlig überzogen, egozentrisch und um Lichtjahre entfernt von dem, was man traditionell als Liebe oder Verliebtheit bezeichnen kann. Unter solchen Umständen kann man keinesfalls davon sprechen, dass Männer als charakterlich wertvolle und liebenswerte Menschen wahrgenommen werden, sondern als Erfüllungs- und Bestätigungsgehilfen für egomanisches Prinzessinnen-Denken.

Nun ist es natürlich so, dass auch die meisten Männer sich irgendwann eine Familie und Kinder wünschen. Die Erfahrung lehrt sie allerdings, dass das Risiko des Scheiterns in einer Ehe überwiegend ihre eigene existenzielle Situation bedroht, selten die der Frauen. Die meisten Scheidungen werden von Frauen betrieben, sie werden darin von staatlicher Seite befördert durch vielfältige Alimentierung im Scheidungsfall – auch wenn die finanzielle Unterstützung individuell mager ausfällt. Für Männer gibt es nichts dergleichen, im Gegenteil. Ein geschiedener Vater hat die finanzielle Hauptlast der Scheidungsfolgen zu tragen. Er wird z.B. in die höchste Steuerklasse eingestuft, auch wenn er Aufwendungen für seine Kinder hat oder er (im Glücksfall) die Kinder regelmäßig bei sich versorgt (Wochenenden/Ferien).

Noch viel traumatischer ist es für ihn allerdings, wenn er seine Kinder nach der Scheidung kaum noch bzw. gar nicht mehr sieht, weil die Exfrau lieber in Ruhe mit einem neuen Liebhaber leben möchte. Das alles ist gesellschaftliche Realität, die auch an den ursprünglich bindungswilligen Männern nicht vorbei geht.

Ebenfalls angesprochen wurde (von Herrn Scholand) der Umstand, dass es für Frauen eine riesige Palette an Sexspielzeugen gibt. Pikanterweise wird jedoch dabei nie hinterfragt, ob sich aus deren Gebrauch ähnlich gravierende psychosoziale Umwälzungen ergeben könnten (oder vielleicht sogar bereits ergeben haben). Ganz im Gegenteil: Das Ausweichen der Frauen auf Penisattrappen u.a. gilt meistens als selbstbewusst, »empowert« und wie diese ganzen scheinheiligen Buzzwords alle lauten mögen. Einer Frau mit Dildo unterstellt niemand eine charakterliche Deformation wie beim Thema Sexdolls.

Summarisch ergeben sich also viele plausible Gründe, warum Sexpuppen für viele Männer eine attraktive Substitutionsmöglichkeit darstellen. Da Frauen in den Augen vieler Männer eh das Thema Liebe und Sex seit Jahrtausenden mit einem stark ökonomisierten Drall aufladen, ist der Schritt zur Entscheidung für eine sexuelle Ausweichmöglichkeit wie die Sexdolls kein Rück- sondern ein Fortschritt. Zumal dann, wenn die Investitionskosten immer niedriger werden (laut Scholand inzwischen ab 1.500,- Euro) und die technischen Aspekte immer ausgefeilter werden.

Dass gerade ein beachtlicher Paradigmenwechsel im Geschlechterverhältnis stattfindet, lässt sich kaum abstreiten. Und er geht weit über das hinaus, was man bei gewöhnlichen Skandalisierungen feministisch gefärbter Empörungen allgemein in der Presse lesen kann. Die maskuline Reaktion erstarrt allerdings längst nicht (wie bei den Femis) in endlosen Diskussions-Dauerschleifen ohne jeden Effekt. Vielmehr schicken sich immer mehr Männer an, die Kontrolle über ihre Orgasmen, über die eigene Ekstase, die Häufigkeit und die sexuelle Zufriedenheit zurückzugewinnen. Das machen sie ganz ohne den üblichen medialen Sensationismus. Ob das zusammen mit ähnlich aufgeklärten Frauen passiert, ist für sie nicht von Belang – aber auch nicht unmöglich. Das kann nur individuell und manchmal sogar nur situativ vereinbart werden.

Am Schluss gab es noch einige interessante Zuschauerfragen, z.B. die eher philosopische Frage, wie sich die immer größer werdende Verschmelzung von Mensch und Maschine weiter entwickeln wird (Thema Transhumanismus; nein, hat nix mit Transen zu tun). Aber das würde hier zu weit führen.

Insgesamt fand ich diesen »Salon« sehr inspirierend und lehrreich. Aber macht was an der Akustik. Bitte. 

 


Kategorie: Male, Female

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