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Forderungen!

08.10.2018

Spülgel-Online feiert ein Jahr #metoo.

Ein Jahr #metoo! Für Spiegel-Schreiberinnen ist das ein zentrales Datum, denn sie finden, dass sich diese Kampagne zum wichtigsten Medienereignis seit Einführung der Druckerschwärze entwickelt hat. Alsdann möchte man der Leserschaft sage und schreibe elf Forderungen präsentieren, mit denen die Welt noch viel frauen­freundlicher wird. Im Leserforum »spiegelt« sich das Spiegel-Traktat allerdings etwas anders: »Ich kann es nicht mehr hören!«.

Gut, dass dank »metoo« nun auch der letzte Depp weiß, dass man Frauen nicht hauen darf. Von selber käme ein durchschnittlicher Mann nämlich nie drauf. Seit Jahrtausenden verprügeln die Männer aus lauter Gewohnheit in ihrer Freizeit regelmäßig ihre Frauen und das nur, weil ihnen vor #metoo noch niemand gesagt hatte, dass das gar nicht okay ist. Immerhin gibt es da so eine EU-Studie, die behauptet, dass ein Drittel aller Frauen schon mal Gewalt erlebt hat. Ich erinnere mich dunkel: Ist das nicht dieselbe Studie, in der auch Frauen aus der Kriegs­generation nach ihren Gewalterfahrungen gefragt worden sind – während ihre heulsusigen Kerle auf den Schlachtfeldern in Einzelteile zerschossen wurden? Die Studie, in der schon das Schubsen einer Frau als ungeheuerliche Gewaltausübung alarmisiert wurde?

Auch Alice Schwarzgeld behauptete bei einer Festrede einmal, dass die Situation heutiger Frauen mit der Situation der Juden im Zwölfjährigen Reich vergleichbar sei. Nicht mal die jüdischen Zentralräte haben sich damals darüber aufgeregt – dabei hätten sie allen Grund gehabt.

Und was ist mit den ganzen anderen Studien, die lapidar feststellen, dass Männer sehr viel häufiger von Gewalt betroffen sind? Ich verstehe schon: Weil auch die meisten Gewalttäter männlich sind, braucht man darüber nicht zu diskutieren. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. So wie Muslime hauptsächlich andere Muslime oder Schwarze hauptsächlich andere Schwarze umbringen – wen sollte das kümmern? Frauen doch nicht! Gewalt ist nur dann ein mediales Aufregerthema, sobald sie das gefönte Geschlecht trifft.

Das hat bei Spülgel-Online eine feste Tradition: In einem weiteren Artikel geht es zum Beispiel um Kindersoldaten. Elegant umschifft der Spiegel einmal mehr den Umstand, dass Kindersoldaten de facto nur Jungs sind, indem er das Wort »Jungen/Buben« schlichtweg meidet. Es ist dort durchweg nebulös von »Kindern« die Rede – und natürlich zusätzlich und ausdrücklich von den »Boko Haram Mädchen«, so als gäbe es hier gar kein spezifisches Jungenproblem, sondern vielmehr ein klassisches Mädchenproblem.

Bei der Beschneidungsdebatte und den archaischen Initiationsriten in Afrika sieht es, durch den westlichen Feminilismusfilter gesehen, genauso aus: »Besonders betroffen« sind immer nur Mädchen. Womöglich wird einem noch Rassismus vorgeworfen, wenn man mal in seltener Ausnahme den Fokus auf rein männliche Opfer legt, die in den Fallzahlen überwiegen. Auch unsere empathiefreie Kanzlerin fand seinerzeit selbstherrlich, dass Beschneidungen von Jungen aus religiösen Gründen überhaupt kein Problem darstellen.

Aber die Gewaltfrage ist gar nicht der allererste Skandal, den die Spiegeltanten zum #metoo-Jubiläum thematisieren, obwohl sie sicherlich aus dramaturgischen Gründen am besten funktioniert. Nein, die allererste Forderung der Spiegel-FrauInnen ist die nach einem »Dating auf Augenhöhe«. Schließlich werden durch die Konstellation »Mann zahlt das Rendezvous, Frau lässt sich aushalten« gefährliche stereotype Rollenbilder verfestigt und das geht ja mal gar nicht in unseren modernen, frauenbewegten Zeiten. Nur weil dieses Verhalten ständig von irgendwelchen Liebeskommödien aus Hollywood so tradiert wird, kommen Frauen wie Männer im Leben nicht auf den Gedanken, dass daran etwas falsch sein könnte. Böses altes weißes heteronormatives Hollywood! Nur die feminilistisch geschulten Spiegel-Schreiberlinge können so etwas zweifelsfrei erkennen! Wir sind eben alles willenlose Opfa der patriarchalen Matrix und replizieren exakt das, was uns in Filmen so gezeigt wird. So simpel kann die Welt sein, newahr. Komisch nur, dass die feminilistischen Befreiungsschläge wie etwa »Wonder Woman«, die weibliche Kopie von »Ghostbusters« oder »Ocean's Eight« als ultimatives feminines Heldenepos auch nicht so recht funktionieren wollen.

Man kann diesen Tunnelblick, den die Spiegelantinnen nach »1 Jahr #metoo« glaubensbesoffen ausbreiten, nicht in der Gänze kommentieren. Zu geringes Niveau, zuviele Halbwahrheiten, zuviel dümmliches Zirkeldenken. Schuld ist jedenfalls immer der Mann, betroffen immer nur die Frau; das ist die ewige Essenz. Trotzdem verrät so ein Monolog aus dem hamburger Elfenbeinturm einiges über die Motivation bzw. die Realitätsferne der Urheberinnen. Denn es sieht ganz danach aus, als sei eine journalistische Entrücktheit (egal wo in den Hauptmedien) tatsächlich prägend für eine komplett wirklichkeitsfremde Wahrnehmung des Geschlechterthemas.

Das ist übrigens ein Phänomen, das auch andere Blätter immer häufiger betrifft, wie etwa ein unsäglich dummer und einseitiger Artikel in der Telepolis zum Thema »Brett Kavanaugh und seine sexistischen Missetaten als 17-Jähriger« zeigt. Ein gewisser Herr Jödicke beklagt dort, dass sich die Konfliktparteien in der Causa Kavanaugh extrem unversöhnlich gegenüber stehen. Das stimmt zwar. Aber an seiner Partelichkeit lässt der Autor trotzdem keinen Zweifel: Frauen falsch­beschuldigen so gut wie nie irgendwelche Männer! Hätte er recherchiert, wer innerhalb dieses glamourösen #metoo-Jahres so alles beruflich oder sogar physisch über die Klinge gesprungen ist (durch Suizid beispw), dann käme er zu ganz anderen Ansichten. Leider ist es durch die Prekarisierung der journalistischen Zunft in den vergangenen Jahrzehnten (spätestens seit der Wiedervereinigung) schwer aus der Mode gekommen, neutral zu berichten. Selbst die ursprünglich mal relativ tendenzfreie Telepolis verrennt sich in letzter Zeit unter dem auffällig legasthenischen Chefautor Rötzer immer öfter bei neuralgischen Gesellschafts­themen. Schade eigentlich.

Bei soviel Ignoranz und Einseitigkeit in der Presse kann man natürlich auch nicht erwarten, dass irgendwer mal für fünf Minuten über den tagespolitischen Tellerrand hinaus guckt. Denn die Freude darüber, dass nun allerlei Weibsvolk angeblich endlich mal mit seinen heterosexuellen Sorgen »sichtbar geworden ist«, wird vermutlich nicht besonders lange andauern. Wohin die Reise geht, wenn die eine (männliche) Hälfte der Menschheit unter einen permanenten Generalverdacht gestellt wird, kann man z.B. in den USA bestaunen. Dort gibt es offensichtlich immer mehr Männer, die sich den allgemeinen Leistungserwartungen ihrer Gesellschaft entziehen. Sie besuchen seltener Unis, gehen immer seltener langfristige Beziehungen (Ehen) ein, zeugen keine Kinder, konsumieren kaum und ziehen sich auf das zurück, was ihnen unmittelbaren Spaß macht.

Dem Ganzen ist nur äußerst schwer mit guten Argumenten und schon gar nicht mit logischem Denken beizukommen. Nicht mal dort, wo es weh tut – bei den Auflagenzahlen und Klickraten – sehen die Einheitsmedien irgendeinen Anlass für eine berufliche Katharsis. Die Politik verhält sich analog, ebenfalls trotz sinkender Wählerzustimmung. Wer also »von der Gesellschaft« eine Einsicht erwartet, bei der alle das Gesicht wahren können, wird wahrscheinlich umsonst warten. Dass dem so ist, beweist der simple Umstand, dass inzwischen sogar einigen Frauen aufgefallen ist, die #metoo-Hysterie könnte womöglich auch ihre geliebten Söhne, Brüder, Väter usw. betreffen. Nur in diesem engen Radius funktioniert weibliche Logik und nicht anders. Mit allgemeiner maskuliner Betroffenheitslyrik oder »Male Tears« ist da nichts zu holen.

Und: Je inflationärer von dieser einseitigen Sichtweise Gebrauch gemacht wird, je mehr sich dieses männerverachtende Credo in und zwischen den Zeilen unserer selbstbezogenen JournalistInnen ausbreitet, desto unglaubwürdiger werden die Aussagen tatsächlicher Missbrauchsopfer. Inzwischen kann ich mich selber nicht mal mehr davon freisprechen. Offensichtlich wird nichts gelernt, bevor diese leidige Genderismus-Ideologie nicht krachend vor die Wand gefahren ist.

 


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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