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Relotius-like

27.04.2019

Spülgel-Online kann es nicht lassen mit seinen tendenziösen »Berichtbestattungen«.

Warum ist eigentlich James Bond nie auch mal eine Frau? Warum nur? Interviewerin Hannah Pilarczyk von Spülgel-Online ist derart paralysiert von dieser Grundsatzfrage, dass andere Begleitumstände des neuen »James Bond 25« (Arbeitstitel) zur bloßen Petitesse verkommen. Immerhin musste man schon einmal bei dieser Produktion den Regisseur und den Drehbuchautor austauschen. Aber das interessiert Frau P. nicht in erster Linie. In ihrem Interview mit den Produzenten Babara Broccoli (kein Witz) und Michael G. Wilson orakelt sie über das kommende Femi-Lalaland folgendermaßen:

Wie wollen Sie sicherstellen, dass sich auch jüngere Zuschauer den Film ansehen werden? Unter ihnen sind schließlich Themen wie Diversität und weibliche Selbstermächtigung sehr wichtig.


Ach, ist das so? Tja, liebe Leser, so kann's einem gehen, wenn man nicht aufpasst und sich den gefönten Kopf mit allerlei ideologischem Firlefanz vollstopft.

Denn die von Frau P. behaupteten Jugendtrends »Diversität und weibliche Selbstermächtigung« kommen ausschließlich in ihrer eigenen Fantasie bzw. in virtueller Form in ihrer beheizten Schreibstube bei Spülgel-Online vor. Das Branding »Feminismus« hat bei den allermeisten Jugendlichen so einen miserablen Stand, dass es fast schon wieder kultig ist.

Gut, es gab im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte durchaus den einen oder anderen lauten, öffentlichkeitswirksamen Trend zu weiblicher Pampigkeit, formvollendetem Zickentum (gern auch gegen andere Frauen) und besonders zu feminilistischer Selbstbeweihräucherung. Das war bzw. ist mitunter ziemlich penetrant und hässlich (nicht nachmachen, Kinder!). Aber ich fürchte eher, dass so ein handelsüblicher Jugendlicher das Wort »Diversität« heutzutage oft nicht mal fehlerfrei schreiben kann und dass er »weibliche Selbstermächtigung« für eine besonders schmuddelige Ferkelei hält. Domina und so. Von daher gebe ich wenig auf die feminilistische Deutungshoheit bei unserer verdorbenen Jugend. Das hätten die wohl gerne.

Jedenfalls kann man mal sehen, dass Spülgel nix von seinem Relotius-Desaster gelernt hat, gar nix. Das Phänomen, sich völlig realitätsfremde Sinn­zusammen­hänge auszudenken, bleibt ja nicht auf die schiere Erfindung von ein paar nicht existenten Personen oder Orten wie bei Relotius beschränkt. Der gesamte ideologische Überbau, der dieses Presseimperium antreibt, hält einer Überprüfung auf Alltagsrelevanz und -tauglichkeit doch nicht mal fünf Sekunden stand. Dabei ist der propagandistische Aufwand beachtlich: Medien wie Spülgel kreieren aus lauter alarmistischen Versatzstücken und emotionalisierten Buzzwords in einer Endlosschleife sozusagen ihr eigenes Marvel-Universum (dazu unten mehr), in dem nur sie die moralinsauren Superhelden sein dürfen. Alle anderen Nazis! Faszinierend.

Frau P. hätte aber doch sooo gerne und mit den allerbesten Absichten etwas zur feminilistischen Weiterentwicklung dieses Krimi-Urgesteins »James Bond« beigetragen. Schließlich haben Frauen auch Rechte! Frauenrechte! Frauen-und-James-Bond-Rechte! Aber Produzentin Broccoli, das merkt man zwischen den Zeilen, kontert die tendenziösen Fragen nach einem weiblichen James Bond durchaus süffisant mit einem leicht genervten Unterton. Die Hautfarbe bei JB sei egal (Idris Elba war mal im Gespräch), aber beim Geschlecht wird nichts geändert, stichelte sie. Und außerdem:

Ich halte auch nichts davon, ursprünglich männliche Rollen für Frauen umzuschreiben. Mir ist es lieber, wenn Frauen originelle Figuren für Frauen schreiben.


Das ist eine sehr kluge Aussage (»für eine Frau«, hätt ich jezz fast geschrieben). Denn sie entlarvt die feminilistischen Fieberträume der Frau P. bezüglich einer »weiblichen Selbstermächtigung« als dummdreiste und vor allem leistungslose Okkupation eines etablierten und gut eingeführten Geschäftsmodells. So ähnlich läuft das ja auch beim Thema »Frauen in Führerposen« (oder wie das heißt). Imaginäre Luxusprobleme einer kleinen Minderheit, die handfeste Fakten gerne mal mit teils bauchgefühltem, teils esoterischem Geschwurbel zu entkräften versucht. Lachhaft eigentlich. Und peinlich fürs 21. Jahrhundert, aber echt jezz.

 

Nick Fury und Hulk müssen spülen

Soviel Spoiler muss jezz mal sein: Im viel diskutierten »Captain Marvel« sieht man Mastermind Nick Fury (Samuel L. Jackson) und in »Avengers: Endgame« Hulk (Mark Ruffalo) jeweils mit Küchenhandtüchern bewaffnet irgendwo häuslich rumstehen. Das ist schon kurios, denn in einer Welt mit zahllosen Superhelden sollten Superspülmaschinen mit Plasmareinigung doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Immerhin haben wir es hier u.a. mit dem Daniel Düsentrieb des Marvel-Universums zu tun: Iron Man alias Tony Stark.

Aber wir verstehen natürlich diese unglaublich subtile Botschaft dahinter: Männer, nehmt doch mal nen Feudel in die Hand! Überwältigende neue Rollenbilder, die sich sofort ins maskuline Gehirn schrauben! Wieso muss ich eigentlich gerade an toxische Nassrasierer denken?

Viel Palaver hatte es ja im Vorfeld von »Captain Marvel« aufgrund der feminilistischen Kratzbürstigkeit der Hauptdarstellerin Brie Larson gegeben. Sie hatte da mal bei irgendeinem Film von ihr ein Problem mit männlichen Filmkritikern, denen sie am liebsten das Wort verbieten möchte. Das könnte ihr so passen.

Sonst passt aber tatsächlich alles für sie: Denn latürnich werden auch in »Captain Marvel« wieder einige feminilistische und frauen-empowernde Duftmarken gesetzt, denn das ist in neueren Produktionen plötzlich schick und unverzichtbar geworden. Die Stärkung der Frau in ihrem neuen Rollenbild, also während sie z.B. in so einem Film rumläuft, soll laut Gendergedöns in der Zukunft irgendwas bei stereotypen Kindern bewirken (oder so ähnlich). Ich hab aber vergessen, was.

Frau Larson bleibt ihrem Image als blondierte Oberzicke indes treu. Selbst als Superheldin wirkt sie selten sympathisch, dafür als Heldenfigur umso langweiliger. Denn niemand kann ihr am Schluss ans Bein pinkeln, äh sie besiegen. Das macht sie auch als Heldin noch kaltherziger und großkotziger, als es Larson von Haus aus eh schon mitbringt. Nee, Wonder Woman ist viel besser; die möchte man knuddeln!

Übrigens: Wie ist das eigentlich mit dem Superheldenantrieb und der CO2-Belastung? Bei dieser wichtigen Frage hat der Film sein indoktrinierendes Potential komplett verschenkt, finde ich. Mit ein paar ertrinkenden Eisbären hätte man auch Brie Larson durchaus emotional aufwerten können.

Auch werden wieder etliche grobschlächtige, agitatorische Klimmzüge unter­nommen, um für solche grandiosen Zeitgespenster wie »Diversität und Vielfalt« zu werben. Aber dazu will ich nicht zuviel verraten, weil es zur Handlung gehört. Erstaunlich nur, wie schlicht, offensichtlich, frontal und platt solche Botschaften inzwischen dargelegt bzw. inszeniert werden – und zwar mit dem dogmatischsten Impetus, den man sich vorstellen kann. Die müssen ihr Publikum für komplett ballaballa halten. Vielleicht stimmt das ja sogar.

Captain Marvel (also die HeldenfigurIn) fliegt ja auch im gerade erschienenen »Avengers: Endgame« mit viel Blingbling und galaktischem Feuerwerk durch die Gegend. Zum Glück – soviel muss ich verraten – kommt sie nur wenige Male vor und stört deshalb nicht so sehr. Ansonsten hat sie auch in diesem Streifen eher den Charme einer Kreissäge.

Auffällig unsubtil war noch eine Szene, in der plötzlich mitten im Endkampf aus allen Richtungen weibliche Superhelden auf der Leinwand erscheinen und bedeutungsschwanger und voller Glorie für zwei Sekunden vor dem ergriffenen Zuschauer posieren. Herrlich schräg! Man weiß gar nicht, was das soll, aber vielleicht hatten die Autoren Angst, dass die Superheldinnen nicht als Frauen wahrgenommen werden. Um Himmels Willen, die Botschaft, die Botschaft!

Zum Schluss noch etwas Lehrreiches aus dem Bereich »Fremdsprachen im alltäglichen Gebrauch«. Kann man immer gebrauchen:


Kategorie: Kultur, Male, Female, Politik, Gesellschaft

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