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Jimi Hendrix von der CIA ermordet?

01.07.2019

Das ist doch mal eine interessante Verschwörungstheorie!

Über was man im Netz manchmal so stolpert: Laut dem unten zitierten Video »The Last 24 Hours« ist der Ausnahmegitarrero 1970 in London nicht nur an seinem eigenen Erbrochenen aufgrund eines Barbituratmissbrauchs gestorben, sondern wurde von der CIA in Unmengen von Rotwein ertränkt. Die Presse sprach lange Zeit von einer »Überdosis Heroin«, aber Heroin gehörte nie zu Hendrix' Drogen – auch wenn er sicherlich, was Drogen betrifft, ansonsten kein Verächter war.

Nachdem inzwischen einige FBI-Dokumente aus dieser Zeit deklassifiziert wurden, ergibt sich ein möglicherweise komplett anderes Bild über Hendrix' Todesursache. Denn entgegen der heutigen, romantisierten Sicht auf diese Hochzeit der Hippies und der »Love and Peace«-Beatniks gegen Ende der 1960er Jahre, sahen die staatlichen Organe wie etwa das FBI und die CIA die damaligen Blumenkinder nicht als harmlose Jugendprotestbewegung mit einem Hang zu bewusst­seins­stimulie­renden Rauschmitteln. Die 1968er-Bewegung wurde als hochgradig staatsgefährdend empfunden. So ganz unbegründet war das aus Sicht des Staates nicht, denn immerhin führten z.B. die damaligen Antikriegsproteste der jungen Generation schlussendlich zum Rückzug der USA aus dem Vietnamkrieg – ein enormer Gesichtsverlust für das Establishment und ein enormer Einkommens­einbruch für die Kriegsgewinnler jeder Couleur.

Besonders »staatsgefährdende« Opinion Leaders der 68er gerieten seinerzeit recht schnell in den Aufmerksamkeitsradar der Behörden – und Musiker waren aufgrund ihrer Reichweite bei der Jugend für CIA/FBI (und wer noch so alles rumschnüffelte) ein hochinteressantes »Studienobjekt«. Nicht jeder, der im Fokus der Verfolgungs­behörden stand, begab sich gleich in Todesgefahr, aber diese Behörden sind andererseits auch nicht bekannt dafür, besonders besonnen oder human zu agieren – um es mal vorsichtig zu formulieren.

Darüber hinaus gilt es als offenes Geheimnis, dass die CIA gerade bei regierungskritischen Organisationen bis zum heutigen Tag versucht, Einfluss durch Infiltration zu gewinnen. Wer sich z.B. heute immer noch fragt, wieso eine ursprünglich krass antimilitaristisch geprägte Grünen-Partei inzwischen zu den glühendsten NATO-Befürwortern gehört, könnte einen Teil der Antworten in einem erfolgreich umgesetzten CIA-Programm finden.

So ähnlich lief das übrigens auch in zeitgeistkritischen Literaturvereinigungen ab oder im journalistischen Umfeld. Oft genug taten sich dabei besonders aufgewiegelte »Agents Provocateurs« hervor, deren Absicht es war, entweder die internen ideologischen Debatten dieser Vereinigungen zu radikalisieren und damit zu destabilisieren oder aber ihre Außenwahrnehmung in der Öffentlichkeit zu diskreditieren.

Hendrix stand zuletzt unter staatlicher Beobachtung, weil er sich gegen Ende zunehmend mit der »Black Panther«-Bewegung solidarisierte. Die »Black Panther« waren ihrem Duktus nach eine Vereinigung von radikalen Schwarzen, die das Joch der Rassensegregation, wie sie damals in den USA noch vorherrschte, gewaltsam beseitigen wollte. Auch Hendrix sprach in diesem Zusammenhang von einem »War« und spendete sogar Geld an die Panthers. Und das brachte in ganz sicher unter die Beobachtung der Staatsschützer!

Nichts von den bisher kolportierten Nachrichten zu Hendrix' Tod stimmt mit der Faktenlage überein. So sagte seine letzte Freundin Monika Dannemann aus, sie sei mit Hendrix nach einer Flasche Wein zusammen eingeschlafen, sei irgendwann neben ihm wach geworden und hätte ihn nicht mehr wecken können. Man hätte ihn daraufhin – noch lebend – ins Krankenhaus gebracht, wo er aber angeblich aufgrund einer Überdosis an Schlafmitteln verstorben sei. Das steht im krassen Widerspruch zu den Aussagen der Sanitäter, die Hendrix abtransportiert hatten. Sie sagten, dass er bei ihrer Ankunft »bereits mindestens 6-7 Stunden tot gewesen sein muss«.

Zwar fand man bei der Autopsie tatsächlich Erbrochenes in Hendrix' Lungen, aber noch viel mehr »Unmengen an Rotwein«; in seinem Magen dagegen kaum. Das widerspricht einem Selbstmord (absichtlich oder aus Versehen) diametral – kein Mensch ist in der Lage, sich auf diese Weise aus dem Leben zu verabschieden. Alles deutet darauf hin, dass Hendrix ermordet wurde.

Im Film wird auch die Rolle von Hendrix' Manager Mike Jeffery angesprochen, dem man evtl. ebenfalls ein Mordmotiv unterstellen könnte. Denn für Jefferey war Hendrix nur eine Geldmaschine. Er hatte Hendrix nachweislich um große Summen betrogen, hatte ihm Tantiemen vorenthalten und hatte mit ihm epische Auseinandersetzungen über seine musikalische Weiterentwicklung. Als Jimi Hendrix nämlich weg wollte von seinem wilden »Rock 'n' Roll«-Image hin zu einer mehr soul-/jazzorientierten Musikrichtung, befürchtete Jeffery massive Einkommens­verluste. Auch fiel Hendrix auf, dass, wann immer es zu Schwierigkeiten mit der New Yorker Mafia kam, bei der Hendrix zeitweise Drogen kaufte, diese Schwierigkeiten durch Jefferys »gute Kontakte« sehr schnell behoben werden konnten. Jeffery selbst kam 1973 bei einem Flugzeugunglück in Frankreich ums Leben.

Warum Monika Dannemann (aus Düsseldorf), Hendrix' letzte Freundin, seinerzeit über die Todesumstände eine Falschaussage machte, ist bis heute nicht geklärt. Sie blieb bei ihrer Geschichte bis zu ihrem Selbstmord in 1996. Man darf vermuten, dass sie angesichts der tatsächlichen Ereignisse aus Angst geschwiegen hat – vor allem vor dem Hintergrund, dass sie als seine letzte Freundin weltweit in der Presse unter einem enormen Druck stand.

Interessant auch, dass das kuschelige Bild, das wir heute von der »Flower Power«-Bewegung haben, mitnichten dem Bild entspricht, das Staat und Gesellschaft in dieser speziellen Zeit von der Jugendbewegung hatten. Auch ist es beileibe kein rein US-amerikanisches Phänomen gewesen: Vor der Radikalisierung dieses Jugendprotestes ist auch Deutschland nicht verschont worden, wenn man z.B. an solche Monster wie die »Rote Armee Fraktion (RAF)« und ihre zahlreichen politischen Morde denkt. Die Radikalisierung spielte sich allerdings auf allen Seiten ab; siehe z.B. die Ermordung von Benno Ohnesorg.

 


Kategorie: Kultur, Musik, Politik, Gesellschaft

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