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Immer diese Zahlen!

19.03.2019

Der Gender Pay Gap beträgt 21 %! Nein, 6 %! Nein, 2 %! Ja, was denn nun?

Gestern war bekanntlich mal wieder der Tag, ab dem Frauen endlich nicht mehr umsonst arbeiten müssen. So jedenfalls lautet die Tagesschau-Propaganda: Frauen verdienen 21 % weniger und der 18. März ist der Tag, ab dem sie dann – statistisch gesehen – wieder aufholen. Mit demselben propagandistischen Schwung fing auch die unausweichliche Plasberg-Quasselrunde »Hart aber weich« zum selben Thema an: »Frauen unter Druck, Männer am Drücker: Alles so wie immer?«. Das übliche Lamento zur Skandalsendung übernimmt heute einmal mehr Spülgel-Online. Der verdichtet das feminine Beschwerdemanagement ziemlich offen und gut zusammengefasst auf die Formel »Geld her!«.

Immerhin: Dieser seit Jahren konstante Aufreger »Einundzwanzigprozent!einself!« hinsichtlich der ungleichen Bezahlung unserer werten Frauen hat doch einiges an Strahlkraft eingebüßt im Laufe seiner medialen Entwicklung. Denn diese Zahl bekommt bekanntlich nur der zustande, der alle Berufstypen, Lebensläufe, Weiterbildungen, Überstunden, Betriebszugehörigkeiten und Qualifikationen in einem großen Topf verrührt und sie anschließend nach dem Geschlechteranteil dividiert. Schaut man sich aber die unterschiedlichen Präferenzen von Männern und Frauen an, wie z.B. Berufswahl, Familienplanung oder Teilzeit- und Vollzeitanteil, dann errechnet selbst das statistische Bundesamt, dem man nicht gerade eine patriarchale Verschwörung nachsagen kann, lediglich maximal 6 % Gehalts­unterschied zwischen Männlein und Weiblein. Ob diese 6 % nun allein aufgrund der Boshaftigkeit von Männern – aka »Das Patriarchat(®)« – zustande kommen, wurde amtlich noch nicht abschließend geklärt.

An der sinnvollen Differenzierung kam dann auch Plasbergs Laberstunde trotz ihres reißerischen Titels kaum vorbei. Doch die wesentlich realistischeren 6 % hetero­normativer Gehaltsunterschied taugen kaum für die übliche Skandalisierung aus feminilistischer Sicht. Dort wird ja zu gerne mit Buzzwords wie »strukturelle Benachteiligung« alarmisiert, was das Zeug hält. Das würde bedeuten, dass »Das Patriarchat(®)« die Frauen ständig zwingt, Kinder zu kriegen, traditionell schlechter bezahlte Sozialberufe zu ergreifen oder eben aufgrund der gesellschaftlich erzwungenen Mutterschaft Teilzeit zu arbeiten.

Auch die Umbenennung von Alltagstätigkeiten wie Wohnung aufräumen, staub­saugen, Wäsche waschen usw. in sog. »Care-Arbeit« lässt sich dummerweise nicht so einfach durchführen, denn in Millionen Single-Haushalten (egal ob bei Männern oder Frauen) fallen solche Arbeiten unter die allgemeinen Lebensanforderungen. Meine Oma kannte noch Waschzuber, Wäschestampfer und Waschbrett – aber das ist lange her, zu lange jedenfalls, um daraus »the most difficult job in the world« zu konstruieren. Der Comedian Bill Burr hat in dem Fall Recht: Kein Job, den man auch im Pyjama ausführen kann, taugt als »most difficult job in the world«. Nimm das, Feminilismus!

Die Diskussion um die richtigen Zahlen und um die angebliche Frauen­benach­teiligung dreht sich also seit vielen Jahren im Kreis. Mit maximaler Empörung wird dabei automatisch den Männern – allen Männern – zwischen­menschliches Komplettversagen zugeschrieben. Kein Wort über die Präferenzen der Frauen bei der Partnerwahl, die sich schon immer (seit Jahrtausenden) um die gut situierten, erfolgreichen Typen balgen. Kein Wort über veränderte Erziehungs­bemühungen von Müttern an ihren Söhnen, obwohl sie sich angeblich doch dauernd ominöse »neue Männer, die auch mal weinen können« wünschen. Kein Wort darüber, dass Frauen den Haushalt und alles, was damit zusammenhängt, als ihr angeborenes, ureigenes Refugium okkupieren und jede maskuline Mitbeteiligung empört ablehnen. Kein Wort darüber, dass Männer sich in der Berufswelt vor allem für ihre Familien und diverse feminine Wohlstandsforderungen verschleißen: »Schatz, die Meiers von gegenüber fahren schon wieder in den Urlaub!«.

Ziemlich schräg und von faktischen Notwendigkeiten befreit argumentierte übrigens auch der eingeladene Psychologe Stephan Grünewald: Frauen hätten es mut­maßlich deshalb so schwer, in der rein patriarchal geprägten Berufswelt Fuß zu fassen, weil die doofen Kerle sich in ihrem Lieblings-Habitat »Arbeit« durch aufstrebende Frauen irgendwie bedroht vorkommen. Weil sie nämlich im Haushalt traditionell nix zu melden haben, fühlen sie sich »auf Arbeit« nämlich sauwohl und sind froh, dass ihnen die Nörgel-Weiber dort nicht auch noch ständig in den Ohren liegen (sinngemäß). Ein klarer Fall von Küchenpsychologie! Alsob »auf Arbeit« vor allem aus Skatrunden mit dem Chef, gemeinsamen Puff-Besuchen oder heimlichen Trinkgelagen bestünde! Aber selbst, wenn die Arbeit vor allem eine Flucht­möglichkeit für Männer darstellt: Wenn das so stimmt, welches desaströse Bild von der weiblichen Sozialkompetenz wäre das? »Liebevoll« klingt irgendwie anders...

Und dann war da noch das vorbildliche Ehepaar in der Plasberg-Sendung, wo der Mann zugunsten der Astronauten-Karriere seiner Frau den Rollentausch praktizierte. Dafür wurde der Mann sogar zum »Vater des Jahres« hochstilisiert! Also Frauen: Werdet alle Austronautinnen! Komisch, als ich seinerzeit zugunsten unserer Kleinen meine Arbeitszeit reduzierte, hat das keine Sau interessiert – vor allem nicht meinen Chef, der selbstredend dasselbe Pensum erwartete wie vorher auch. Und bis ich meine Olle dann dazu bewegen konnte, sich auch endlich einen Job zu suchen, das hat nochmal über ein Jahr gebraucht. Natürlich war ihr Zuverdienst dann automatisch »ihr Geld«, während mein Einkommen selbstverständlich immer noch »Familiengeld« war – bis ich ihr schließlich die Kontovollmacht entzog. Ja, ich bin schon ein ziemlich schlimmer patriarchaler Schuft.

In der Summe führen also derartige Diskussionsrunden zu keinerlei Ergebnissen. Gut, dass den Weibern noch keiner gesteckt hat, dass sich das Gesamt-Arbeitskontingent dank Digitalisierung in den allernächsten Jahren noch einmal drastisch verschärfen wird. Die viel beschworenen »Ersatzarbeitsplätze«, die derartige technische Fortschritte bisher mit sich brachten, wird es aufgrund der Geschwindigkeit solcher Entwicklungen nicht so bald in ausreichender Zahl geben (falls überhaupt). Wie »die Gesellschaft« dann mit diversen Arbeits- und Einkommensproblemen umspringt, hat noch gar niemand auf dem Radar. Es gibt ja jezz schon etliche Geschäftsmodelle, die ohne staatliche Zuschüsse wie Aufstocker, Steuervergünstigungen (Amazon) oder Niedriglöhne nicht konkurrenzfähig wären. Das wird noch spannend werden.

Die ewigen femininen Anklagen tragen nichts zur allgemeinen Geschlechter-Befriedung bei. Die Feministas erwarten zwar, dass ihr empörter Singsang ein umfangreiches maskulines Entgegenkommen auslöst, doch dummerweise sind ihre modernistischen Erwartungen gegenüber den Tüpen keine Einbahnstraße. Denn auch die Kerle entwickeln sich munter weiter. Statt sich den weiblichen »Geld her«-Parolen widerstandslos zu ergeben, lassen sie heutzutage z.B. öfter mal die Frauen und ihre (zeitlich limitierten) Kinderwünsche am langen Arm verhungern. Die Rolle als alleiniger Vollversorger von Frau & Kind – wobei den Tüpen längst nicht immer ein Mitentscheidungsrecht zugestanden wird – wird immer öfter als Bremsklotz für die eigene »Selbstverwirklichung« empfunden. Dazu exemplarisch folgender Kommentar aus dem Spülgel-Forum (Nr. 68).

 

Die Welt dreht sich und ich stelle fest, dass die jungen Männer durchaus an einer »Work-Live-Balance« interessiert sind. Da wird schon gerne mal auf einen Gehaltssprung verzichtet weil sich die »Mehrarbeit« nicht mehr rentiert. Es wird von den jungen Männern gottseidank von ihren Partnerinnen erwartet das sie den gleichen Anteil am Haushaltseinkommen beisteuern wie sie selbst. Das ist auch gut so. Kinder tauchen, wenn überhaupt, nur noch kurz vor »Schluss« auf. Die Unternehmen werden sich umstellen müssen. Nicht weil die Frauen es so wollen, sondern weil der moderne Mann nicht mehr will! Auch das Konzept der Ehe wird heute ja eher kritisch gesehen. Tatsächlich stelle ich auch im privaten Umfeld fest, dass unverheiratete Paare glücklicher sind. Ich würde keinem meiner Kinder raten zu heiraten. Zu groß die Abhängigkeiten, zu groß die Risiken und fürs Kinderkriegen muss man bekanntlich nicht verheiratet sein.

Die Verlierer sind aber nicht die Männer. Sie werden als »Sieger« hervorgehen. Die Zweiteilung (Arbeitsteilung), Männermacht im Job, Frauenmacht in der Familie zerlegt sich gerade. Männern wird die Macht (und die Pflicht) im Job madig gemacht, sie sollen mehr Pflichten (und auch Macht) in der Familie übernehmen, und bei den Frauen ist es umgekehrt. Verlierer werden die Frauen sein... mehr als jetzt schon. Aber das ist eben der Preis der »Gleichheit«!


In einigen asiatischen Ländern (Korea, Japan) ist der Geschlechterkrieg bereits weiter fortgeschritten. Er führt dort nicht nur zu einem beachtlichen Geburten­rückgang, sondern bringt auch mit sich, dass die vereinsamten Individuen – also Männer wie Frauen – um das begrenzte Arbeitsplatzangebot konkurrieren. Die Angleichung der Einkommen ist zwar offiziell gewünscht, aber beileibe nicht in dem Sinn, dass Frauen die traditionell höheren Gehaltsstufen der Männer erreichen, sondern dass alle Singles möglichst gleich wenig verdienen, nämlich gerade soviel, dass sie als ökonomische Dispositionsmasse funktionieren. Und nein, das ist keine Verschwörungstheorie.

 


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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06.11.2019

Ein kleiner Zwischenbericht aus der Welt der Krankenhäuser, Pflegedienste und Krankenschwesterinnen.

Kat: Diverses