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»Vernunft hat nicht gerade Hochkonjunktur«

06.03.2019

...findet Steinmeier. Da ist er selber sein bestes Beispiel, finde ich.

Fangen wir doch mal gleich zum Einstieg mit diesem formschönen und zweckfreien Spruch aus einer jüngst gehaltenen Rede unseres bundesdeutschen Oberhäuptlings an:

„Die Zersetzung der Vernunft ist der Anfang der Zersetzung der Demokratie.“


Aha, so ist das also im Wolkenkuckucksheim der Spezialdemokratie. Von solch einer Wortgewalt fühlt man sich gleich erschlagen, weia. Weil er aber nicht gänzlich als nebulöser Dampfplauderer dastehen will, schiebt er schnell noch ein paar Zeilen moderate Gesellschaftskritik hinterher – aber nicht zu exaltiert latürnich:

Steinmeier sagte, viele Menschen seien oft emotional überfordert, was zu „Gegenreaktionen“ führe. Diese seien Angst vor Identitätsverlust, Rückzug in vermeintlich vertraute Bezugsräume, Rückbesinnung auf Nation, Ethnie, Religion oder Region. „Ein Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit ist für den Menschen lebenswichtig.“ Zwar gehöre Deutschland „ohne Zweifel“ zu den Gewinnern der Globalisierung. Das Land verdanke seinen Wohlstand und seine Sicherheit seiner weltweiten Vernetzung, seinen Partnern und Verbündeten. Was aber „in der Summe“ gelte, „hat im einzelnen viele, zu viele Verlierer“ zurückgelassen. Darin stecke eine Ursache der Polarisierung in der deutschen und in anderen Gesellschaften.


Na gut, ein großer Denker war er ja noch nie, unser »erster Repräsentant des Staates«. Das Ding mit der »Globalisierung« ist zum Beispiel so eine diffuse Sache, für die man eigentlich schon mal hier und da Gehirnschmalz bemühen könnte und über die sich Steini durchaus in Szene hätte setzen können. Denn da gäbe es so einiges zu verbessern und populistisch auszuschlachten! Aber sein Bekenntnis zu den (in seinen Augen trivialen) Problemen des gemeinen Fußvolks bleibt genauso blutleer und halbherzig, wie der ganze Steinmeier und seine steuerfinanzierten Mitstreiter eben so sind.

Wenn ich das mal – ganz im Sinne seiner staatstragenden Analüsen – beschreiben darf, würde ich sagen, es ist genau dieses Sonntags- und Allerweltsgefasel auf dem Niveau von klugscheißenden Kalendersprüchen, das mich armes Stimmvieh tatsächlich bis zum Anschlag »emotional überfordert« – allerdings ganz anders, als Steinmeier das meint. Denn was Steinmeier sagt, ist so unfassbar hohl und so meilenweit am Kern jeder Sache vorbei, dass einem förmlich die Spucke wegbleibt. Und selbst­verständlich hat seine Feststellung, dass es »Verlierer der Globalisierung« gibt, auch niemals irgendwelche Folgen. Er doziert nur abgehoben durch die Gegend. Für wen redet der also, wenn aus seinen Worten sowieso nichts folgt, nicht mal eine ordentliche Diskussion? Das kann er auch seinem Frisör erzählen. Ist doch wahr.

Und überhaupt: Ich dachte, nur ich hätte das Monopol auf »Monologe mit der Bevölkerung«? Notiz an mich selbst: Gleich morgen mal mit meinem Patentanwalt ein ernstes Wörtchen reden.

 

Wiedervorlage »ARD-Framing«

Zum berüchtigten, überteuerten Dummsprech dieser »Kognitionswissenschaftlerin« Elisabeth Wehling und ihrem ominösen »Berkeley International Framing Institute« ist in den letzten Tagen ja so einiges berichtet worden. Das werde ich hier selbst­verständlich nicht alles wieder aufwärmen. Aber ganz ähnlich wie bei Steinmeier fällt bei Wehling am meisten auf, dass sie sich stoisch weigert, Erkenntnisse (in ihrem Fall ein schlechtes Image der Rundfunkanstalten) in produktive Lösungs­vorschläge zu transformieren. You had one job!

Die Ursachen, die überhaupt zu ihrer Beauftragung geführt haben, sind ja nach wie vor existent; nämlich eine zweifelhafte Qualität der ARD und damit ein beachtlicher Imageverlust. Den nach wie vor virulenten Grundsatzproblemen wie fehlende Glaub­würdigkeit, einseitige Berichte und eine indiskutable Nähe zur Regierungsmeinung sollen lediglich (in Wehlings Vorstellung) andere, schönfärberische Umschreibungen verpasst werden. Das ist keine Problemanalyse, es ist nicht mal Faulheit – denn die würde ja intelligentes Verhalten benötigen, weil Faulheit in ihrer vollendetsten Form etwas mit Effizienz zu tun hat. Es ist bei Wehling – ganz im steinmeierschen Sinn – hunderprozentig nutzloses Zeuch.

Wehling hat eben nicht angemahnt, dass die ARD z.B. in ihrer Berichtbestattung neutraler und weniger tendenziös werden sollte, um ihre Kunden zurück­zu­bekommen. Zwar war Venezuela bei der damaligen Auftragsvergabe an sie noch kein akutes Thema, aber die derzeitigen ARD-Berichte darüber sind mal wieder ein Paradebeispiel dafür, warum immer mehr Leute von dieser öffentlich-rechtlichen Arbeit angewidert sind. Und vor allem: Es ist überhaupt kein Optimierungswille erkennbar.

Man muss schon reichlich borniert sein, um darin KEIN Muster zu erkennen. Und solche Berichtbestattungs-Muster gab/gibt es am laufenden Band: Skripal, Ukraine, Diesel-Skandal, Energiewende, Sozialpolitik, Waffenexporte, Jemen usw. Jaja, ich höre schon auf, sonst stürzt das Internet wieder ab.

Nun ist Wehling, wie RT Deutsch meldet, völlig konsterniert, weil ihr Papierchen doch nur für den internen Gebrauch in der ARD bestimmt gewesen sei und nicht als Skandalpamphlet, das plötzlich überall rumgereicht wird. Das macht die gesamte skandalöse Angelegenheit aber keineswegs besser!

Übrigens: Schon ihr Firmenname ist Augenwischerei und müsste unter »versuchte Täuschung« geführt werden, denn außer dass Wehling in Berkeley irgendwann mal rumphilosophiert hat, gibt es keinerlei Verbindung zwischen ihrem Institut bzw. ihrer jezzigen Tätigkeit und der dortigen Universität.

 

Angsthasen

Neulich gab es mal wieder einen nervtötenden Gastbeitrag von St. Martin Chulz beim Spiegel. Der bezog sich wiederum hauptsächlich auf die salbungsvollen Worte von Legoman Macron aus dem maroden Frankenreich und hatte – was sonst – Europa zum Thema. Beide machen denselben Denkfehler: EU = Europa. Absolut nein! Die EU, deren Palaverment im Grunde nichts zu melden hat, ist in der Hauptsache ein Wirtschaftsbündnis und hat mit dem »europäischen Gedanken« nur schemenhaft zu tun. Wahre Europäer waren u.a. die Soldaten, die im Ersten Weltkrieg Weihnachten zusammen gefeiert haben, und zwar über die Schützen­gräben hinweg.

Die Großkopferten wissen im Grunde auch, wie entbehrlich und überflüssig sie rüberkommen. Die Versuche, beispw. das Internet europaweit zu zensieren (Thema Uploadfilter oder die ganze Hate-Speech-Hysterie), erwachsen genau aus dieser Angst vor einem »europäischen Gedanken« seiner ureigenen Einwohner, der völlig ohne Blitzlichtgeschwafel funktioniert und die Sonnenkönige dahin befördert, wohin sie auch gehören: In die Bedeutungslosigkeit (und nicht in die Geschichtsbücher). Sie haben nämlich nichts Substanzielles beizutragen, Punkt. Sie können nichts und werden es auch nicht lernen. Fragt sie doch mal, ob sie z.B. auch zu Mindestlöhnen ihre opulenten Ämter ausüben würden oder ob sie mit einer Amtszeitbeschränkung einverstanden wären.

So, genug echauffiert für heute. Ich schreibe nur äußerst ungern mit Wut im Bauch. Aber wenn man nach der x-sten Belehrung durch solche seelenlosen Anzugträger merkt, dass sich über Jahre und Jahrzehnte rein gar nix ändert, muss man auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen.

 


Kategorie: Politik, Gesellschaft

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