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Bagspreading

16.05.2019

Der öffentliche Nahverkehr ist immer gut für Sozialstudien.

Ob man im Ruhrgebiet mit Bus, Bahn oder mit dem Auto fährt, ist relativ egal: Man kommt fast immer nur schlecht und nur mit einem ausreichenden Vorrat an anzüglichen Schimpfwörtern durch die größte Metropole Europas. Aber das ist nicht mein eigentliches Problem, da zur Gewohnheit mutiert und unter »Großstadt-Blues« abgehakt. Mein Problem ist derzeit, dass ich mich mit meinem linken Knie nicht besonders gut verstehe und deshalb mit einer Krücke unterwegs bin. Und weil ich momentan auch keinen Schaltwagen fahren kann, bin ich auf den öffentlichen Transport angewiesen. So weit, so schmerzhaft. Ich hatte meinem Knie schon angedroht, ein neues bei Amazon zu bestellen, aber dann fielen mir wieder die armen Paketfahrer ein, die ich dann auch wieder nicht über Gebühr beanspruchen wollte.

Nun, neulich stieg ich also in so einen Bus und humpelte zum Stehplatz, den es immer in der Busmitte gibt. Es waren durchaus einige Sitzplätze frei, aber die, die frei waren, waren zum einen von übergewichtigen und entsprechend Raum beanspruchenden Fahrgästen belegt, die schon rein anatomisch kein Vorbei­kommen ermöglichten, selbst wenn sie gewollt hätten. Aber viel auffälliger waren die fünf, sechs geleckten, jungen Pullertruden, die ihren Doppelsitz mit diversen Designer-Taschen okkupiert hatten. Manche hatten ihre Taschen an der Fensterseite drappiert, so dass es einem Survivaltraining gleichgekommen wäre, sich zum »Taschenplatz« durchzukämpfen. Mit einer Krücke in einem schaukelnden Bus riskiert man damit mindestens ein gewisses Unwohlsein besagter »Damen« oder Schlimmeres. Das geht in einem feminilistischen Staat natürlich gar nicht! Höchstens mit einer Machete hätte man... aber lassen wir das lieber. So was funktioniert immer nur in Tarantino-Filmen zuverlässig bzw. strikt ergebnisorientiert.

Bis auf eine starrten die offensichtlich autistischen Weiber nur fette Löcher in die Luft oder waren von ihrem Smartphone hypnotisiert, so als wäre ich gar nicht da. Die eine Eine streckte zwar andeutungsweise ihre Hand zu der Tasche auf ihrem Nachbarsitz, aber es blieb nur bei dieser zaghaften Empathie-Geste. Sie war dann doch froh, dass ich sie mit patriarchaler Missachtung strafte und einfach an ihr vorbei wackelte.

War da nicht mal dieses Ding mit dem »Manspreading« in Bussen und Bahnen vor einiger Zeit? Hatte es nicht sogar umfangreiche Plakat- und Aufkleberaktionen gegeben, in denen die Männer dazu aufgefordert wurden, sich in Nahverkehrs­mitteln die Eier zu quetschen, damit die Weiber sich ja nicht »sexuell belästigt« oder in ihrer femininen »Selbstverwirklichung« beeinträchtigt fühlen müssen?

Wie auch immer, letztendlich habe ich doch großes Glück gehabt. Dass es auch anders ausgehen kann mit solchen sozialempathischen Fönwesen, zeigt ein Bericht aus Los Angeles. Dort hatte Cadesha Bishop (25) aus unerklärlichen Gründen einen alten Mann (ebenfalls gehbehindert) mit voller Wucht aus einem Bus geworfen. Sie darf sich jezz wegen Mordes vor Gericht verantworten, denn der Mann starb einige Tage später an seinen Verletzungen. Sicher ein Extrembeispiel, aber rein bauchgefühlt ist es einem als Mann nicht so völlig fremd, dass die Geschichte von den »friedlicheren Frauen« ins Reich der Märchen und Mythen gehört. »Ladies you can be an asshole, too!« (Frank Zappa).

 

Schuh aufm Kopp

Die quirlige Vloggerin ShoeOnHead hat sich in ihrem letzten Video mit dem Buch »Why Is Feminism So Silly?« beschäftigt. Geschrieben hat es ein gewisser Brian Lenny – und zwar als Kinderbuch. Shoe gefällt das überhaupt nicht und das ist nur zu verständlich. Versuche, Kinder in irgendwelche politischen Diskussionen einzubinden, gibt es allerdings nicht erst seit dem Buch von Brian Lenny. Die feminilistischen Krampftruppen machen von der kindlichen Instrumentalisierung seit jeher regen Gebrauch. Oder warum müssen nochmal Kinder sog. »Pussy Hats« anziehen? Weil die so schön pink sind? Geh fort!

Lennys Ansatz ist tatsächlich ähnlich billig und simplifizierend wie die Propaganda seiner Lieblingsfeinde von der frauenbewegten Front. Denn warum sollten Männer deshalb besser sein, nur weil kaum eine Frau sie in einem Fight umhauen kann? Auch dass Männer im Stehen pinkeln können, ist nun nicht gerade nobelpreis­verdächtig (wenn auch oft sehr praktisch). Und so wirkt es ziemlich würdelos, wenn die Geschlechterthematik immer wieder mit der nervtötenden Frage endet, ob nun Männer oder Frauen die besseren Menschen sind. Wobei, ich habe noch keinen in Funk und Fernsehen davon schwafeln hören, dass Männer »sozial kompetenter« sind, die »höhere emotionale Intelligenz« besitzen oder schlichtweg »besser als Frauen im Stehen pinkeln können«. Diese Varianten der Beschämung gab es immer nur von weiblicher Seite; irgendwie mögen sie das. Wahrscheinlich brauchen sie's fürs Ego; ich weiß es nicht und will es eigentlich auch gar nicht wissen.

 

Nippon schon wieder

Aus mir noch unbekannten Gründen bleibe ich regelmäßig interessehalber bei Artikeln oder Videos über Asien hängen. Dabei habe ich gar keine besonderen Gelüste oder ethnische Vorlieben bezüglich dieses Kulturraums.

Auf der Website »Kritisches Netzwerk« gab es dieser Tage einen längeren Bericht über Japan, insbesondere über die dortige Arbeitskultur. Zwar hat Japan wie wir offiziell eine 40-Stundenwoche, aber aus gewissen Traditionen heraus sind 60 bis sogar 100 Arbeitsstunden pro Woche keine Seltenheit. Allein in 2016 gab es über 2.000 Fälle von »Karoshi« – Tod durch Überarbeitung – die vor Arbeitsgerichten gelandet sind.

In dem Zusammenhang fällt auf, dass seitdem auch in Japan das Thema Gleichberechtigung grassiert, sich die Selbstmordraten von Männern und Frauen angeglichen haben, denn auch von Frauen wird inzwischen erwartet, dass sie sich kritiklos dem japanischen Arbeitsethos unterwerfen. Nicht zuletzt müssen die Frauen weltweit vom patriarchalischen Joch befreit werden!

Übrigens ist die permanente Verfügbarkeit von Arbeitnehmern mitnichten ein Hinweis auf eine besondere Produktivität. So kommt z.B. die OECD zu der Erkenntnis, dass trotz exorbitanter Arbeitszeiten Japan gegenüber Deutschland in seiner Arbeitsleistung um rund ein Drittel hinterher hinkt. Die Menschen in solchen Hamsterrädern leisten nicht unbedingt viel mehr, nur weil sie viel länger anwesend sind. Diese Erkenntnis gibt es zwar nicht erst seit vergangener Woche, wird aber von so manchem Chef (auch hierzulande) nur zu gerne ignoriert. Was so einige als »kapitalistische Effizienz« romantisieren, entpuppt sich häufig als feudalistische Zeitverschwendung, bei der es eher um Machtspielchen als um effektive Arbeitsleistung geht.

Und dann war das noch das Phänomen der Versingelung, welches besonders in Japan eine immer dominantere Rolle spielt. Hierzu ein längeres Zitat:

Soziale Kontakte gibt es zwar in den Metropolen Japans, jedoch zeigen aktuelle Studien auf, das sich immer mehr Menschen isolieren. "Hikikomori" nennt man die Menschen, die sich freiwillig von der Außenwelt abkapseln, sich dabei in ihre eigenen 4 Wände zurückziehen und den Kontakt zur Gesellschaft auf ein Minimum reduzieren. (soziale Isolation, "sich wegschließen"). Oftmals über mehrere Jahre. Laut einer Umfrage, die im September 2016 durch die japanische Regierung in Auftrag gegeben wurde, wenden sich über eine halbe Millionen Menschen von der Außenwelt ab und ziehen sich in ihre Wohnungen zurück [9]. Kritiker dieser Umfrage sprechen allerdings von einer noch weitaus höheren Anzahl Hikikomoris, da sich die Umfrage nur auf Menschen im Alter von 15 bis 40 begrenzte [10]. Als Ersatzkontakte suchen immer mehr Japaner im Internet Freundschaften oder Gleichgesinnte für eine Unterhaltung.

Dadurch ergibt sich ein weitaus größeres Problem in der japanischen Gesellschaft. Demographie zum Beispiel. Durch das steigende Rückzugsverhalten und der Isolierung, und der immensen Arbeitszeiten ist die Zahl der Singles in Japan stark angestiegen. Die Anzahl der Single-Haushalte beträgt allein in Tokio rund 50% [11]. Seit 1974 ist die Geburtenrate Japans rückläufig und erreichte 2017 den tiefsten Stand seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1968 [12],[13]. Brachten Mitte der 1970er Jahren Frauen im Schnitt 3,0 Kinder zur Welt, so waren es am Stichtag 2017 nur noch 1,4 Kinder [14].

Ein weiterer Faktor für die sinkende Geburtenrate Japans liegt in der Tatsache, das im Gegensatz zu früheren Jahren immer mehr Frauen einer Vollzeitbeschäftigung inklusive hoher Überstundenzahl nachgehen. Der Einzug der Feministinnen hat auch vor Nippons Toren nicht Halt gemacht. Da eine zwischenmenschliche Beziehung von Paaren aufgrund hoher Arbeitsstunden im Gegensatz zu anderen Industrieländern kaum noch aufrecht zu erhalten ist, flüchten sich immer mehr Japaner in die imaginäre und virtuelle Welt. Jeder zweite Twen gibt an, einen künstlichen Avatar als (Ersatz)-Freundin in Form einer Smartphone-App zu besitzen.

Überhaupt gibt es einen Boom in der Ersatz-Industrie zu verzeichnen. In “Kyabakuras” (Gastgeber- und Hostessenclubs) gibt es gegen Bezahlung Gesprächspartner, die den Abend mit einem verbringen. Kyabakura ist ein Portmanteau, ein Schachtelwort und setzt sich aus den Begriffen “Kyabare” (Kabarett) und “Kurabu” (Club) zusammen. Ein identischer Vorgang zeigt sich auch in sogenannten “Cuddle-Cafés”. Der Kunde bezahlt einen Betrag und erhält als Dienstleistung, das er umarmt oder das mit ihm gekuschelt wird. Alles streng kontrolliert und ohne sexuellen Hintergrund.

 

Man kann in Japan temporär Freunde, Gesellschafter oder ganze Familien mieten, um sich den Anschein eines sozialen Lebens zu geben. Erwerbs- oder gar Obdachlose haben in Japan einen sehr schweren Stand. Viele übernachten in Spielhöllen, denn arbeitslos oder obdachlos zu sein, wird im emsigen Japan als größte Schande betrachtet.

Der Artikel von Christian Jakob ist zwar relativ lange, wird aber an keiner Stelle langweilig, wie ich finde. Er sollte uns eine Warnung sein. Lesenswert.

 


Kategorie: Male, Female, Politik, Gesellschaft

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06.11.2019

Ein kleiner Zwischenbericht aus der Welt der Krankenhäuser, Pflegedienste und Krankenschwesterinnen.

Kat: Diverses