Header

Artikel Detailansicht

< Scobel und die Männlichkeit
   

Süddeutsche: Frauen erobern mal wieder...

16.01.2019

...diesmal die Welt der Elektrogitarren.

Als ich heute meinen täglichen News-Aggregator »Net News Express« durch­stöberte, fand ich mal wieder einen Artikel der »Süddeutschen«, die dort sonst eher selten auftaucht. »Vielleicht leiden sie ja an einem gewissen Aufmerksam­keits­defizit«, dachte ich. Denn solche Käseblätter wie die Süddeutsche, die sich seit Jahren in einseitiger, vor allem feminilistischer Propaganda gefallen, mögen sich eigentlich nur ungerne den Internetplatz mit diesen schrägen »rechtspopulistischen« oder »alternativen« Nachrichten- bzw. Bloggerseiten teilen. Sind's die Auflagen- und Abozahlen mal wieder?

Sobald es um Frauenthemen geht, werden Stil und Inhalt bei Blättern wie dieser »Süddeutschen Zeitung« schnell martialisch. So auch beim Thema elektrische Gitarrenmusik. Denn angeblich haben »die Frauen« mal wieder eine bis dato männlich geprägte Kultursparte erobert. Sie sind gerade drauf und dran, die Rockmusikbranche zu revolutionieren und vom Mief der maskulinen Sackhaare zu befreien. Was die Tüpen bisher dort geleistet haben, ist laut Süddeutsche-Schreiber Jan Stremmel nämlich immer nur Macho-Musik gewesen.

Speziell die Gitarrenmusik leidet unter einer gewissen Überalterung – was zwar stimmt, aber wohl eher mit seiner persönlichen Nostalgie zu tun hat. Bestsellerlisten der Gitarrenmusik werden nämlich immer noch von »70-jährigen Altstars« angeführt und es fehlt an Nachwuchs, schreibt er. Die Geschichte der »breit­beinigen« E-Gitarrenmusik, bei der das Griffbrett als Masturbationssymbol herhalten musste (hört, hört), sei irgendwie auserzählt. Aber schon Curt Cobain habe 1993 in seinem lieben Tagebuch notiert, dass die Rockmusik der Zukunft weiblich dominiert werde. Tja, also wenn der Cobain so was sagt... Fehlt eigentlich nur noch, dass seine Frau Courtney Love die heimliche Urheberin von Cobains Welthits war.

Nicht, dass man das nicht schon öfter versucht hätte. Vor allem bei den besonders toten Komponisten wird immer mal wieder orakelt, dass doch im Grunde die Ehefrauen als Inspirationsquelle des künstlerischen Schaffens ihrer berühmten Männer im Vordergrund stehen müssten. Männer sind immer nur die Werkzeuge weiblicher Genialität! Genau deshalb muss man sie auch »sichtbar machen«. Merkt euch das gefälligst!

Hier ein Auszug aus Stremmels einseitiger Soy-Boy-Prosa:

Über Jahrzehnte funktionierte dieser eingebaute Sexismus [in der Rockmusik] als aufregender Bruch mit gesellschaftlichen Normen wie der Ehe. Aber in einer Gesellschaft, die sich in den vergangenen Jahren auf Gleichberechtigung und Teilhabe geeinigt hat, wirkt diese Haltung grotesk aus der Zeit gefallen. Und die Kunstform Rock, die immer den Zweck hatte, Konventionen zu brechen, wie eine Hochburg des Gestrigen.


Wenn man den Stremmelschen Stuss so liest, war es offensichtlich den Musikläden lange Zeit verboten, den Frauen auch mal die eine oder andere Stromgitarre zu verkaufen. In seiner Welt taugten die Weiber jahrzehntelang angeblich nur als Groupies der Gitarrengötter und durften ihr musikalisches Potenzial aus lauter männlicher Boshaftigkeit einfach nicht ausleben. Das schreit natürlich nach feminilistischer Rache im 21. Jahrhundert! Und siehe da, nun ist unsere freiheitliche Gesellschaft endlich so weit, auch mal jemanden mit Busen als Bühnen­bereicherung zuzulassen – nicht zuletzt dank des streitsüchtigen und unermüdlichen Einsatzes diverser frauenbesoffener Stremmels!

Komisch, die von Stremmel empfohlenen Musikerinnen waren mir bis dato allesamt unbekannt. Hm, wenn man schon eine Musik-Revolution ankündigt, dann sollte man doch auch ein paar knackige Beispiele vorrätig halten, die einen gewöhnlichen Hörer vom Hocker hauen und restlos begeistern können. Aber so passabel diese Gitarristinnen bzw. Komponistinnen für sich betrachtet auch sein mögen, sie haben dann eben doch nicht so einen Impakt wie seinerzeit »Smells Like Teen Spirit«. Das war so ziemlich das letzte Mal, wo ich unbedingt wissen wollte »Wer zum Kuckuck macht diesen geilen Sound?«

Sehen die Stremmel-Prophezeiungen also wie eine musikalische »Revolution« aus? Eher nein. Vor allem ist sein »Männer gegen Frauen«-Geschwalle reichlich unfair gegenüber all den Künstlerinnen der Vergangenheit (Gitarristinnen oder nicht), ohne die die Musikwelt sehr viel ärmer geblieben wäre. Mit seinem feminilistisch-revolutionären Gequatsche verhindert so ein Stremmel eher, dass Mann sich mit seinen Gitarristinnen-Empfehlungen überhaupt vorurteilsfrei beschäftigen möchte. Nicht zuletzt konterkariert Stremmel mit dieser dümmlichen Gewichtung ein zentrales Element jeder Musik: Versöhnlichkeit. Nichts, keine Sprache, keine politische Theorie, kein Wirtschaftssystem, keine Religion und schon gar kein süddeutsches Käseblatt kann Menschen jeden Alters, jeden Geschlechts und jeder Herkunft so zusammenbringen wie Musik.

Fehlt also nur noch das Problem mit den Groupies. Aber ich bin sicher, dass Stremmel sich diesem Phänomen nur allzu gerne breitbeinig, äh bereitwillig hingibt. Die von früheren Gitarren-Heroen zertrümmerten Hotelzimmer lassen wir mal großzügig außen vor. Obwohl, da hätte ich so einige »lustige« Anekdoten parat; etwa unser Lichtdesigner, der eines Morgens sturzbesoffen, splitternackt und weit nach dem vereinbarten Abreisetermin in einem fremden Hotelzimmer in Schnee­engel-Positur von einem kreischenden Zimmermädchen aufgefunden wurde. Es muss ein Bild wie aus einem schlechten Fernsehkrimi gewesen sein. Um ihn herum waren lauter Minibars aus mindestens zehn anderen Zimmern versammelt. Offensichtlich war es heiß hergegangen in dieser Nacht. Oder diese eine britische Punkband, die im Suff in den Hotelpool in Catania (Sizilien) geschissen hatte. Helle italienische Aufregung, kann ich euch sagen! Those were the days. Ja, auch so was ist Teil des Rockgitarren-Mythos. Nein, muss man nicht toll finden.

Bekanntlich machen es SJW-Jünger und linksradikale Schneeflocken wie Stremmel nicht gerne unter einer feminilistischen Weltrevolution, wenn sie so ein Thema beackern:

Während Männer den Erfolg der alten Rezepte noch abreiten, bis auch der letzte Babyboomer zu taub für einen Albumkauf ist, erkunden Frauen tendenziell das Neue. Solche Rückzugsgefechte sind natürlich nicht auf die Musik beschränkt; die Kandidatur für den CDU-Parteivorsitz von Friedrich Merz, der gerne mit seiner Jugend als sauerländischer Easy Rider auf dem DKW-Moped kokettiert, hatte ähnliche Pointen.


Darauf muss man erstmal kommen: Friedrich Merz war mir als Symbol für den Niedergang der männerlastigen Rockmusik bisher noch gar nicht aufgefallen. Solche großartigen Geschichtszusammenhänge gibt es exklusiv nur in unserer Höchstleistungs-Presse! Das macht ihn fast sympathisch, dieses verkannte Rockidol Merz. Aber nur fast!

Man möchte den Redakteuren solcher Postillen unbedingt den Gang an die frische Luft empfehlen. Offensichtlich kochen die, was die kulturellen und gesell­schaft­lichen Trends betrifft, immer nur in ihrem eigenen feminilistischen Saft. Zu tun gäbe es einiges, etwa die Klärung des politischen Zusammenhangs zwischen analfixierter Rap-Musik und deren weibliche Konsumentenschaft. Aber das ist eine andere Geschichte, die wir sicherlich in der gewohnten hellseherischen Weise von Herrn Stremmel alsbald erklärt bekommen.

 


Kategorie: Male, Female, Kultur, Politik, Gesellschaft

<- Zurück zu: Beiträge

 

Nach oben

12.08.2019

Ich bin krank.

Kat: Diverses
11.07.2019

Zweites Jahr der »Empathielücke gegenüber Männern«! Nein, da gibt es nichts zu feiern.

Kat: Male, Female, Politik, Gesellschaft
04.07.2019

»Von der Leyen als EU-Kommissionspräsidentin« hieß es gestern. WTF?

Kat: Male, Female, Politik, Gesellschaft
01.07.2019

Das ist doch mal eine interessante Verschwörungstheorie!

Kat: Kultur, Musik, Politik, Gesellschaft
23.06.2019

Und siehe da, es kam der evangelische Kirchentag darnieder!

Kat: Politik, Gesellschaft, Male, Female