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Schuldgefühle

29.03.2016

Was für Schuldgefühle?

Einem Artikel von Dr. Alexander Ulfig zufolge »enträtselt« Geschlechterforscher Gerhard Amendt in seinem Buch »Von Höllenhunden und Himmelswesen« die seltsame Schweigsamkeit der Männer im Hinblick auf die geballte weibliche (hauptsächlich feministische) Kritik gegen alles Männliche und konstatiert einen Schuldkomplex, ja fast einen Minderwertigkeitskomplex von Männern gegenüber Frauen. Nicht nur das: Männer haben angeblich Gefallen daran, Frauen schwach zu sehen, um ihr eigenes Selbstwertgefühl zu stärken. Deshalb entwickeln sie eine übertriebene Ritterlichkeit, die die Frauen gegenüber den teils völlig moralfreien, allgemeinen Lebensanforderungen schützt; wie etwa Selbstverantwortung bei der Berufs- und Karrierewahl oder bei der Frage der eigenverantwortlichen Existenzabsicherung.

Ist das so? Na ja, es gibt solche Männer und es gibt sie sogar in einem beachtlichen Ausmaß. Dazu reicht z.B. ein Lakmustest in den bekannten Redaktionsstuben in der Mainstreampresse. Wahrscheinlich trifft die Amendtsche These mindestens für die »lila Pudel« zu, die von feministischen Ideen so besoffen sind, dass sie sogar bis zur Gewaltanwendung gehen würden, um die feministische Anklageprosa hochzuhalten. Es gibt genügend Beispiele für solchen gewaltbereiten Fanatismus – etwa bei Männerkongressen, die von frauenbeseelten Aktivisten gestürmt werden oder auch bei Sabotageakten und Drohungen gegen lokale Veranstaltungshäuser oder gegen männerorientierte Referenten (wie Amendt selbst). Ham wir alles schon gelesen.

Wo Amendt Recht hat, soll er natürlich auch Recht behalten: Denn die feministische Anklageindustrie und die daraus resultierenden Forderungsorgien an die Männer sind von epischem Ausmaß und verlangen eigentlich zwingend eine Gegendarstellung. Würde man nämlich derartige Schuldzuweisungen, wie sie von Frauen an Männer gemacht werden, auf andere Peergroups übertragen – etwa Schwarze vs. Weiße, Arier vs. Juden (letzter Vergleich nur aus dramaturgischen Gründen) – dann würde einem die Monstrosität der Vorwürfe geradezu entgegen springen. Umso verwunderlicher, so findet Amendt richtigerweise, ist die Schweigsamkeit der Männer. Würde z.B. ein Politiker Sätze in die Welt streuen wie »Juden sind halbe Wesen« oder »Alle Schwarze sind potenzielle Vergewaltiger«, dann würde es sein sofortiges Karriereende bedeuten und zwar völlig unabhängig vom »Wahrheitsgehalt« oder von nachgeschobenen Entschuldigungen wie etwa »aus dem Zusammenhang gerissen«. Frauen dürfen das anscheinend, insbesondere die feministischen in Funk und Fernsehen. Die meisten Männer ignorieren es, andere unterstützen solche Simplifizierungen und Diskreditierungen sogar und nur ein paar wenige Verrückte aus der Manosphere opponieren dagegen.

Aber ist das große Schweigen der Männer tatsächlich nur ein Resultat ihres Schuldbewusstseins gegenüber den Frauen? Das wäre für sich betrachtet eine gewagte Behauptung, die allein zeitlich nicht sonderlich gut einordenbar ist. Denn das Schweigen der Männer ist – ebenso wie die weibliche Forderungsmentalität – keineswegs ein Resultat der modernen Frauenbewegung, sondern existiert als Konvention zwischen den Geschlechtern seit gefühlten Ewigkeiten. Nimmt man z.B. als Maßstab für das gedeihliche Zusammenwirken der Geschlechter die Entwicklung der allgemeinen Lebensqualität – ergo auch die Existenzbedingungen für gemeinsame Nachkommen – so sind die Bringleistungen seit jeher ziemlich einseitig verteilt. Es waren hauptsächlich Männer, die die gesellschaftlich-ökonomischen Grundlagen (oftmals durch Einsatz ihres Lebens) gelegt haben, die Gesellschaften gegen Invasoren verteidigt haben und die im Falle von Katastrophen zuallererst geopfert wurden (denken wir nur an die relativ frischen Erfahrungen in Tschernobyl oder Fukushima). Frauen waren von solchen »gesamtgesellschaftlichen Verwertungsstrategien« weitestgehend ausgeschlossen – aber natürlich nicht aus unterdrückerischen Gründen, sondern wegen ihrer relativ begrenzten Fähigkeit, Kinder zu gebären. Diese Fähigkeit wurde und wird durchweg höher eingestuft als die Fähigkeit der Männer, sich potenziell beliebig oft fortzupflanzen. Man mag diese Lastverteilung ungerecht oder unmoralisch finden, doch in Sachen Fortpflanzung und Arterhaltung ist in der Natur bekanntlich wenig Spielraum für Moral. Es sagt im übrigen nichts über die »Wertigkeit« einzelner Individuen aus und entbindet die Individuen auch nicht von einer eigenverantwortlichen Positionierung in diesem Konfliktfeld.

Wenn man also nach der Schweigsamkeit der Männer fragt, so sind die Grundlagen dazu sehr viel älter als die Entstehung des Feminismus. Wenn man's genau nimmt, so findet man derlei Konventionen sogar bei sehr vielen Arten wieder, bei denen Sex vorkommt, und dieses konventionelle Erbe trägt natürlich auch der Mensch (als Kombination von Mann UND Frau) weiter. Die Einseitigkeit von feministischen Forderungen basiert also auf einem zutiefst archaischen Prinzip, dem Männer und Frauen gleichermaßen unterworfen sind.

Die speziellen überzogenen Forderungshaltungen der letzten (feministischen) Jahrzehnte kollidieren wahrscheinlich also weniger mit der unmittelbaren Schweigsamkeit der Männer als mit der zunehmenden Rationalisierung bzw. Entmystifizierung unserer Lebenszusammenhänge. Denn natürlich sind die feministischen Generalanklagen gegen den Mann als solchen nicht das Urrecht biologistisch benachteiligter weiblicher Wesen, sondern ebenso der Ausgangspunkt für das Infragestellen der maskulinen Rolle im Geschlechterverhältnis. Zudem befördert die Entstehung umfassender Informationsmöglichkeiten (die Entwicklung der Technik allgemein) jene Demystifizierung, vor allem in der Entkoppelung von Sex und Fortpflanzung.

Plastisch gesprochen: Wo Frauen nach den (vermeintlichen) Vorteilen männlicher Existenzen verlangen, da werden zwangsläufig auch die rein femininen Vorteile zur Disposition gestellt werden. Bekanntermaßen verlangen insbesondere Feministinnen nur nach »patriarchalischen« Vorteilen (ihrer Meinung nach), ohne die teils eklatanten Nachteile männlicher Rollenzuweisungen anzuerkennen. Es sind die bekannten Beispiele wie »Quote für Vorstandsetagen – aber nicht im Straßenbau« oder »Willkürjustiz bei Vergewaltigungen – jedoch keine Verfolgung bei Falschbeschuldigungen« (s. neuestem Schutzlücken-Gesetz à la Heiko Maas). Solche Mechanismen bedrohen grundlegende Konventionen des bisherigen Miteinander-Auskommens – und zwar eben nicht nur i.S.v. Korrekturkosmetik für singuläre Reibereien zwischen den Geschlechtern (zu verbessern gibt es immer was), sondern als pseudorevolutionäres Element, das eine komplette Gesellschaft ins Wanken bringen kann. Auch das ganze Lametta von der »Diversität« bzw. den vielfältigen Lebensentwürfen gehört unbedingt zu diesem weltverbesserischen Universalanspruch.

Femnistinnen und ihre männlichen Lakaien (das sind ziemlich viele) haben also vor allem diese zwei Dinge, die aus ihren Forderungen resultieren, überhaupt nicht auf dem Schirm: Das eine ist die zerstörerische Kraft, die ihren höchst einseitigen Forderungen entspringt und das andere ist der Umstand, dass Männer sich natürlich ganz eigene Gedanken um ihren Lebensentwurf machen. Dass die feministische Vorteilsnahme zu einer noch viel größeren und ungerechteren Umverteilung des Existenzdrucks zu Lasten der Männer führt, liegt auf der Hand und tangiert auf subtile Weise den maskulinen Hang zur Rationalität. Mit tausenden GleichstellungsbeauftragtInnen kann man keine Industriegesellschaft wuppen, mit hunderttausenden Klempnern, Energieversorgern, Straßenbauern usw. schon. Auch für Männer besteht der Referenzpunkt für die Frage nach dem gesellschaftlichen Überleben zu einem großen Maße in der Verwertbarkeit männlicher Existenzen. Und es sieht nicht so aus, als wollten gerade Feministinnen die Männer in diesem Punkt dauerhaft und vor allem verlässlich entlasten.

Womöglich stellen die Männer außerdem fest, dass solche existenziellen, grundlegenden Fragen nach der eigenen Positionsbestimmung im Geschlechterverhältnis durch die feministischen Ja-aber-Umtriebe ihnen selbst völlig neue Perspektiven eröffnen; Perspektiven, die ihr persönliches Wohlergehen im Fokus haben und eben gerade nicht die weiblichen Begehrlichkeiten. Auch darin haben die Feministinnen ihr Wirken komplett unter- und ihre eigene (sexuelle) Dominanz völlig überschätzt. Vor allem vor dem Hintergrund sehr einseitiger Familiengerichtsentscheidungen (Kindesentzug) und langer Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Ex-Partnerinnen ohne jedes Entgegenkommen (bei Besuchszeiten z.B.) ist es quasi als natürliche Entwicklung zu werten, wenn Männer sich immer öfter solchen Konventionen entziehen.

Die Unlösbarkeit solcher Konflikte im Geschlechterverhältnis, wie sie der Feminismus heraufbeschworen hat und die Verhaltensstarre selbst emanzipiertester Frauen bringen es mit sich, dass Männer auf derlei Gegebenheiten aktiv mit Vertrauensentzug reagieren. Sie tun es außerdem mit instinktivem Schweigen, weil sie der Endlosdiskussionen darüber überdrüssig sind. Denn sie ahnen vermutlich, dass die femininen Forderungen (vor allem die feministischen) in Wahrheit eben keine revolutionäre, sondern eine zutiefst reaktionäre Haltung darstellen, die es so oder so ähnlich schon immer gab, die sich ausschließlich im Inertialsystem weiblicher Befindlichkeiten austobt und die vor allem in ihrer Darreichungsform »Feminismus« jedes empathische Denken ad absurdum führt.

Fazit: Das Schweigen der Männer ist mitnichten einem »Schweigen irgendwelcher Lämmer« gleichzusetzen. Es ist nur zum Teil durch »Schuldbewusstsein« gegenüber den Frauen geprägt, sondern durch handlungsaktives Loslösen von bisherigen Konventionen. Sonst wären Strömungen wie MGTOW (Men Going Their Own Way) nicht so massenkompatibel wie derzeit. Dass die Frauen immer weniger Partner für ihre Familienplanung in Anspruch nehmen können (»nicht den Richtigen finden können«), verstärkt den Eindruck, dass viele Männer inzwischen MGTOWs sind, ohne jemals von diesem Phänomen gehört haben. Wenn es um »Schuldbewusstsein« geht, dann hauptsächlich aufgrund archaischer Konventionen, die heutzutage im Informationszeitalter zunehmend an Bedeutung verlieren.

 

Nach sovielen Schachtelsätzen noch etwas zum Schmunzeln:


Kategorie: Male, Female

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